Tirol und Vorarlberg

(Stand: 11. Januar 2021)

Glossar

  • Einbruch im Tourismus schaffte hohe Nachfrage nach arbeits- und sozialrechtlicher Beratung
  • Immaterialgüterrecht und Datenschutz stark gefragt
  • BVwG: Mitarbeit in Kanzleien während des Gerichtsjahrs auch im OLG-Bezirk Innsbruck erlaubt

 

Ischgl avancierte im Frühjahr 2020 zum europäischen Epizentrum der Corona-Pandemie. Die juristischen Nachbeben sind weiter spürbar, und Reisebeschränkungen treffen die Tourismusbranche in der Wintersaison erneut hart. Für die Berater brachte die Krise eine Vielzahl an Anfragen im Arbeitsrecht. Aber auch im IP-, IT- und Datenschutzrecht wittern Kanzleien ihre Chance.

Finanzierer noch bei der Stange

Das abrupte Ende der Skisaison im März 2020 traf die Tourismusbranche ins Mark. Ausbleibende Buchungen, leere Betten und stillstehende Seilbahnen sind auch neun Monate später die Symptome der Krise. Nach vorläufigen Zahlen von Statistik Austria blieben die Übernachtungen in den ersten zehn Monaten 2020 in Tirol um knapp 26 Prozent, in Vorarlberg um etwas weniger als 24 Prozent hinter dem Vorjahr zurück. Dass die Unternehmen nicht reihenweise vor dem Ruin stehen, liegt unter anderem daran, dass die Finanzierer ihnen bislang die Stange halten.

In dieser Situation entstand ein enormer Beratungsbedarf vor allem zu arbeits- und sozialrechtlichen Fragen. Das galt auch für Industrie- und Dienstleistungsbetriebe, die mit ausbleibenden Aufträgen und gerissenen Lieferketten zu kämpfen hatten. Gefragt waren und sind Kanzleien mit spezialisierten Beratern auf diesem Gebiet, darunter etwa Greiter Pegger Kofler. Die Kanzlei baut diesen Bereich gezielt aus, verlor aber mit dem verstorbenen Partner Dr. Herwig Frei einen ihrer langjährigen Spezialisten auf dem Gebiet.

Einen Aufschwung erlebt auch die Beratung im Immaterialgüterrecht und benachbarten Gebieten wie dem Datenschutz. „Die Nachfragen zum Umgang mit Daten sind auch bei uns explodiert“, sagt ein Partner aus Vorarlberg. Das ruft neue Wettbewerber auf den Plan, die sich diese Geschäftschance zunutze machen wollen. So gründete der frühere Pendl Mair-Anwalt Martin Walser in Innsbruck eine Spezialkanzlei für IP- und IT-Recht. Zu den österreichweit hoch anerkannten Beratern auf diesem Gebiet zählt auch Binder Grösswang, deren Praxisgruppenleiter in der Tiroler Landeshauptstadt angesiedelt ist.

US-Großinsolvenz zieht Schieflagen in Tirol nach sich

In einer der wenigen Großinsolvenzen der Region stellt die Kanzlei UGP Ullmann Geiler die Masseverwalter. Denn zwei Gesellschaften der Klausner-Gruppe gerieten mit dem Chapter-11-Verfahren gegen eine US-Tochter in Delaware selbst in Schieflage. Mit ihrem Schwerpunkt auf Sanierungen und Insolvenzen ist die Einheit gut gerüstet für Unternehmenskrisen, die voraussichtlich ein Ende der Stundungen durch Finanz und Gesundheitskassen sowie die Rückkehr zur Antragspflicht auslösen werden.

Eine wichtige Entscheidung für angehende Juristen in Tirol und Vorarlberg fällte im Sommer 2020 das Bundesverwaltungsgericht (Gz. W136 2226129-1/3E): Es stellte klar, dass es ihnen während des Gerichtsjahrs erlaubt ist, einer Nebenbeschäftigung als juristische Mitarbeiter in einer Rechtsanwaltskanzlei nachzugehen. Damit hob es einen Bescheid des Präsidenten des Oberlandesgerichts Innsbruck auf und entschied: Auch im Sprengel Innsbruck ist erlaubt, was in anderen OLG-Bezirken bereits Alltag war.

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