Hintergrund Diversität auf dem Vormarsch

Neue JUVE-Rankings: Wie Frauen im Strafrecht zur festen Größe wurden

Noch vor zehn Jahren waren Anwältinnen in der wirtschaftsstrafrechtlichen Verteidigung eine Ausnahme. Heute gründen sie eigene Boutiquen, übernehmen Führungsrollen in etablierten Kanzleien und setzen als Namenspartnerinnen sichtbare Zeichen. Der Wandel vollzieht sich nicht als plötzliche Revolution, aber er verändert den Markt nachhaltig. Das zeigt sich auch in den neuen JUVE-Rankings Wirtschafts- und Steuerstrafrecht.

von Astrid Jatzkowski

Die Entwicklung lässt sich besonders deutlich an der Namenspartnerschaft ablesen. Mitte der 2010er-Jahre waren Frauen in dieser Position noch selten und nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Hinter Kürzeln wie VBB, tdwe oder MGR standen etwa Renate Verjans, Dr. Anne Wehnert und Dr. Gina Greeve. Wehnert und Greeve sind bis heute fest im Markt etabliert; Verjans hat sich inzwischen in eine of-Counsel-Rolle zurückgezogen.

Aber auch Dr. Sabine Stetter und Dr. Annette von Stetten, letztere heute bei DvM, ebenso wie Dr. Hellen Schilling, seinerzeit noch gemeinsam mit Eberhard Kempf, und Dr. Barbara Livonius, die nach ihrem Ausstieg bei der Deutschen Bank eine eigene Position aufbaute, gehören zu diesem Kreis. Auch wenn sie – anders als etwa Dr. Regina Michalke aus der früheren Kanzlei HammPartner – damals nicht zu den Grand Dames der Szene zählten.

Mehr Gründerinnen, mehr Sichtbarkeit

Inzwischen ist das Bild vielfältiger. Eine der ersten Gründerinnen war schon 2013 Kathie Schröder, die nach Jahren bei Dr. Dörr & Partner und Knierim & Kollegen ihre eigene Kanzlei eröffnete, zu der 2019 Eva Racky von Dierlamm stieß. Dr. Anouschke Velke verließ 2016 PwC Legal und etablierte sich erfolgreich als Einzelanwältin. Antje Klötzer-Assion gründete 2020, nach vielen Jahren in gemeinsamer Kanzlei mit Livonius, ihre eigene Einheit und gewann seitdem namhafte Mandanten. Dr. Astrid Lilie wurde nach dem Tod des Senior-Partners Dr. Wolf Schiller zur Namenspartnerin und auch Knierim Lorenz Breit hat inzwischen mit Dr. Simone Breit eine Frau im Namen. Dr. Marijon Kayßer wechselte von Klinkert in die Selbstständigkeit und gründete 2023 ihre eigene Kanzlei unter ihrem Namen. Stefanie Schott wurde 2024 bei Kipper + Durth zur Namenspartnerin, die Einheit firmiert nun unter Kipper Durth Schott. Alexandra Wagner, bereits seit 2016 eine bekannte Größe bei Krause & Kollegen, führt heute gemeinsam mit Kollegen die Kanzlei WTK Wagner Teubner Klaas.

Anja Stürzl

Mit Dr. Nina Abel, Stefanie Amann und Dr. Julia Exner-Kuhn drängt zudem eine jüngere Gründerinnengeneration nach. Alle drei bringen Erfahrungen aus etablierten Strafrechtsboutiquen mit und stehen damit für einen Trend, der über einzelne Karrieren hinausweist. Im besonders spezialisierten Steuerstrafrecht bleiben Frauen in der Namenspartnerschaft zwar weiterhin selten. Doch auch hier setzen sie neue Akzente: Leonie Linke ist seit 2020 bei Adick Linke tätig, Dr. Anja Stürzl gründete nach mehreren Stationen 2023 ihre eigene Kanzlei und nahm inzwischen einen Salary-Partner auf.

Leistungsträgerinnen jenseits des Kanzleischilds

Die wachsende Bedeutung von Frauen im Strafrecht zeigt sich allerdings nicht nur dort, wo ihre Namen auf dem Briefkopf ganz oben stehen. Besonders rasant verlief die Karriere von Dr. Simone Kämpfer. Die ehemalige Staatsanwältin begann ihre Verteidigerlaufbahn bei tdwe. Damals war der legendäre Dr. Sven Thomas noch einer ihrer Mentoren. 2018 wechselte sie zu Freshfields und baute dort eine erfolgreiche strafrechtliche Praxis auf. Seit dem Herbst 2025 verantwortet sie als General Counsel bei der Deutschen Bank eine Schlüsselposition außerhalb der niedergelassenen Anwaltschaft.

Christina Brosthaus
Laura Borgel

Vor zehn Jahren wurden viele Anwältinnen wie auch Kämpfer noch als Anwältinnen wahrgenommen, die sich neben deutlich älteren und etablierten – in der Regel männlichen – Partnern behaupten mussten. Heute zählt bereits die nächste Generation von Frauen in zahlreichen Kanzleien zu den entscheidenden Leistungsträgerinnen. Dazu gehören Dr. Laura Borgel, die inzwischen Partnerin bei Feigen Graf ist und insbesondere für Koordination und Strategie geschätzt wird, sowie Dr. Christina Brosthaus, Salary-Partnerin bei Verte, die als künftige Führungsfigur gilt. Eine Position, die Schilling nach Einschätzung vieler Wettbewerber bereits erreicht hat. Katharina Dierlamm hat sich ebenso ein eigenständiges Profil erarbeitet wie Dr. Ramona Höft, die bei Roxin zunehmend als Instanz im Steuerstrafrecht wahrgenommen wird.

Kerstin Stirner

Auch Dr. Kerstin Stirner bei Gercke Wollschläger, Dr. Carolin Weyand bei Rettenmaier und Dr. Susanne Stauder bei Heuking haben sich im Markt fest positioniert. Andere befinden sich nach einem Wechsel in einer neuen Aufbauphase mit guten Voraussetzungen: etwa Dr. Ricarda Schelzke, die von Kayßer zu GvW Graf von Westphalen ging, Dr. Anna-Elisabeth Krause-Ablaß, früher bei Flick Gocke Schaumburg und heute bei Wessing & Partner, oder Stephanie Kamp, die von Stetter zu AGS Legal in Frankfurt wechselte.

Der Strukturwandel hat begonnen

Der Generationentransfer von erfolgreichen Partnerinnen an jüngere Kolleginnen verlief lange nicht selbstverständlich. Obwohl viele jüngere Anwältinnen noch immer in einer männlich dominierten Partnerschaft aufwachsen, können sie sich heute jedoch an einer Vielzahl weiblicher Rollenvorbilder orientieren, sei es in ihrer eigenen Kanzlei, bei Wettbewerbern und Gründerinnen oder in Rechtsabteilungen.

Dass inzwischen rund ein Drittel der Aufsteiger im aktuellen JUVE-Handbuch Frauen sind, ist daher mehr als eine Momentaufnahme: Es ist ein Hinweis darauf, dass die nächste Generation bereitsteht, die Machtverhältnisse im Strafrecht dauerhaft zu verschieben.

Hier finden Sie das komplette neue Ranking zum Wirtschafts- und Steuerstrafrecht – inklusive der Männer.

Sie wollen kein JUVE-Ranking mehr verpassen? Dann melden Sie sich für den JUVE Rankings Monthly an. In der kommenden Ausgabe am 2. Oktober geht es um die Top-Beraterinnen und -Berater in Vertrieb, Handel und Logistik.

Noch kein JUVE+ Abo? Wenden Sie sich an unsere Abo-Spezialisten!
Übrigens: Inhouse-Nutzern bieten wir einen kostenfreien Zugang zu JUVE+ an.

Gerne dürfen Sie unseren Artikel auf Ihrer Website und/oder auf Social Media zitieren und mit unserem Originaltext verlinken. Der Teaser auf Ihrer Seite darf die Überschrift und einen Absatz des Haupttextes enthalten. Weitere Rahmenbedingungen der Nutzung unserer Inhalte auf Ihrer Website entnehmen Sie bitte unseren Bedingungen für Nachdrucke und Lizenzierung.

Für die Übernahme von Artikeln in Pressespiegel erhalten Sie die erforderlichen Nutzungsrechte über die PMG Presse-Monitor GmbH, Berlin.
www.pressemonitor.de