Der Umbau des Energiesektors sprengt als gesamtgesellschaftliches Transformationsprojekt jede Vorstellungskraft. Dabei ist klar: Die Kanzleien setzen weiterhin auf den Energiesektor. Addleshaw Goddard, Fieldfisher, Osborne Clarke und Pinsent Masons sehen hier eines ihrer zentrale Wachstumsfelder in Deutschland und Europa. Entweder haben sie, wie Addleshaw Goddard oder Osborne Clarke, gerade ihre Reihen mit versierten Beratern gestärkt. Oder sie haben, wie Pinsent Masons, ihre Energiespezialisten behalten, während viele Partner mit anderen Spezialisierungen im Rahmen der von London getriebenen Angebotsfokussierung gehen mussten. Fieldfisher hingegen sucht Energievertragsrechtler, wie sie Oppenhoff & Partner gerade abhandengekommen ist. Ebenfalls gesucht sind Finanzierungspartner. Bei Freshfields, die früher zu den führenden Kanzleien im Energie- und Infrastrukturumfeld gehörte, lassen zwei Quereinsteiger erkennen, dass mit ihr wieder zu rechnen ist in Zukunft. Ihr Ziel sind die internationalen Finanzinvestoren, die höchst dynamisch in den Markt drängen, um mit ihrem Geld den Ausbau der erneuerbaren Energien anzukurbeln. Kanzleien wie A&O Shearman, Hogan Lovells, McDermott Will & Schulte, Norton Rose Fulbright vor allem aber Osborne Clarke waren darin zuletzt sehr erfolgreich.
Überall wachsen die Sektorgruppen, wenn nicht mit Quereinsteigern, dann mit Partnern und Associates aus den eigenen Reihen. Oft, indem sie ihre Immobilien- und Anlagenfachleute in die bestehenden Praxisgruppen integrieren. Auch Öffentlichrechtler sind gefragt, vor allem wenn es um Assets wie Batteriespeicher geht, eine neue boomende Asset-Klasse. Kanzleien wie AssmannPeiffer, die für ihre Mandantin Kyon Energy Finance die Frage nach der Zukunft der Baukostenzuschüsse vor dem BGH verhandelt hat, Bird & Bird, CMS Hasche Sigle und vor allem wieder Osborne Clarke sind in diesem Markt sehr aktiv.
Für die großen Transaktionskanzleien sind zurzeit vor allem Netztransaktionen die Mandate, die über einen guten oder schlechten Jahresabschluss entscheiden können. White & Case und Linklaters haben zuletzt sozusagen im Alleingang den Verkauf von Anteilspaketen von zwei Investoren der Open Grid Europe an neue Gesellschafter begleitet. Hengeler Mueller bestätigt mit Mandaten von RWE zum Verkauf ihrer Amprion-Beteiligung sowie Tennet zum Verkauf einer weiteren Beteiligung ihre Stärke in der Königsdisziplin des Energiesektors.
Industrie rundet Nachfrage ab
Auch die Industrie hat erhöhtem Bedarf an kompetenten Rechtsberatern. Händeringend sucht sie nach dem Wegfall der russischen Gasversorgung neue Wege der Energiebewirtschaftung. Kanzleien wie Becker Büttner Held, Ritter Gent Collegen und PricewaterhouseCoopers Legal beraten zur Entwicklung erneuerbarer Energien-Anlagen auf den Industriegeländen oder zum Abschluss von sogenannten Power Purchase Agreements (PPAs) unter anderem mit Anlagenbetreibern, die die Flächen der Unternehmen nutzen, um ihr Geld zu investieren.
Die größten PPAs allerdings schließen internationale Technologiekonzerne wie Microsoft. 2024 kündigten Microsoft und Brookfield Renewable den Abschluss des bislang größten Stromabnahmevertrags an, der jemals unterzeichnet wurde. Brookfield Renewable ließ sich dazu europaweit von Eversheds Sutherland beraten, Microsoft von Orrick Herrington & Sutcliffe. Bei dem einzigartigen Vertrag, der die Entwicklung von mehr als 10,5 Gigawatt neuer erneuerbarer Energiekapazitäten vorsieht – genug, um etwa 1,8 Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen – waren auch die deutschen Energiepraxen der Kanzleien involviert, auch die von Osborne Clarke, die unter anderem die Nord/LB beriet.
Die Bewertungen behandeln Kanzleien, die die Energiebranche in mehr als einem relevanten Rechtsgebiet beraten, dazu gehören Gesellschaftsrecht, Transaktionen, Bank- und Finanzrecht, Kartellrecht, öffentliches sowie Immobilien und Baurecht.