Die Betroffenen reagierten empört auf die Nachricht. Ein Anwalt – mit dem Decknamen „Gerhard“ – kommentierte gegenüber der JUVE-Redaktion: „Ein exzellentes Beispiel der internen Kommunikation innerhalb der Kanzlei in Deutschland. Kein Associate ist darüber offiziell informiert worden. Nur denjenigen, die in eine neue Gehaltsstufe eintreten, wurde mitgeteilt, dass die Gehaltserhöhung viel geringer ist als erwartet.“
„Gerhard“ zufolge bedeute das neue System außerdem, dass die Politik, allen Associates in einer Stufe dasselbe zu bezahlen, ausgehöhlt werde. Denn diejenigen, die bereits vor dem Stichtag Januar 2003 die nächste Stufe genommen haben, bekämen weiterhin das angekündigte – höhere – Gehalt für das folgende Jahr. Die anderen dagegen, die zufällig nach dem Stichtag liegen, müssen mit den Kürzungen zurechtkommen.
Auf Nachfrage betonte Dr. Arndt Overlack, Seniorpartner von A&O in Deutschland, gegenüber JUVE: „Wir überprüfen jährlich, ob wir mit unseren Gehaltserhöhungen richtig liegen. Wir orientieren uns am Marktvergleich, überhaupt nicht an finanziellen oder Performance-Kriterien. Wir sind immer am oberen Ende.“
Nach Recherchen von JUVE passt Allen & Overy mit der neuen Gehaltsstruktur die Vergütung den anderen ursprünglich aus Großbritannien kommenden Kanzleien an. „Das ist ziemlich genau das, was wir bezahlen,“ kommentierte ein Managing Partner. Der Sprecher einer der führenden internationalen Sozietäten gab sogar zu, „im siebten Jahr liegen wir deutlich darunter.“
Bei US-Kanzleien ergab sich dagegen ein vollkommen anderes Bild. Der Recruitment-Partner einer amerikanischen Sozietät beschrieb die Rechtfertigung von A&O als „Feigenblatt“. „Wir liegen deutlich darüber, bis zu 20 Prozent. Und ich weiß sehr genau, dass wir nicht die einzigen sind.“ Ein Partner einer zweiten US-Kanzlei stimmte zu. „Das sind bescheidene Zahlen. Vor allem bei den Associates im fünften und sechsten Jahrgang bezahlen wir Gehälter, die über 20 Prozent höher sind.“ (Aled Griffiths)