Maximal 90.000 Euro können in Zukunft Berufseinsteiger bei Hengeler Mueller verdienen. Das hat die Partnerschaft am vergangenen Wochenende ebenso wie die deutliche Anhebung aller übrigen Associate-Gehälter beschlossen.
Die Top-Kanzlei überschreitet mit diesem Beschluss als erste der rein deutschen Kanzleien und als zweite überhaupt die Grenze von 90.000 Euro für Associates im ersten Berufsjahr. Hengeler zahlt allerdings keinen Bonus zusätzlich zum Grundgehalt. Nach JUVE-Informationen zahlt bislang nur Dewey Ballantine diese Summe als Festgehalt zuzüglich einem kanzleiabhängigem Bonus von bis zu 10.000 Euro. Weitere US-Kanzleien liegen mit einem maximalen Geahlt von 87.000 Euro unter dieser Grenze. In der Regel zahlen US-Kanzleien jedoch zusätzlich einen zusätzlichen und von der Kanzleientwicklung abhängigen Bonus.
Hengeler will nun Mitarbeitern im ersten Berufsjahr, die keinen LL.M.-Abschluss mitbringen, 80.000 Euro zahlen. Mit LL.M. erhalten sie 90.000 Euro. Gegenüber 2005 hob Hengeler die Einstiegsvergütungen damit um 5.000 bzw. 10.000 Euro an. Das entspricht einer Steigerung um 6,6 bzw. 12,5 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2000 stieg das Einstiegssalär sogar um ganze 16,8 Prozent. Damals bezahlte Hengeler First-Year-Associates mit LL.M. noch 150.000 D-Mark.
Auch alle übrigen Associates dürfen mit saftigen Gehaltszuwächsen rechnen. Im zweiten Jahr erhalten sie künftig 90.000 bzw. 100.000 Euro, im dritten 102.500 bzw. 112.500 Euro. Im vierten Jahr vereinheitlicht Hengeler die Associate-Saläre unabhängig von Vorqualifikationen. Sie erhalten dann 127.500 und im fünften Jahr 150.000 Euro. Dies entspricht einer Gehaltssteigerung von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Hengeler setzt mit den neuen Gehaltszahlen neue Akzente unter den deutschen Kanzleien. Heiß umkämpft sind derzeit die besonders hochqualifizierten Berufseinsteiger. Zum einen weil das Geschäft vor allem im Bankrecht und bei der Transaktionsbetreuung wieder anzieht, zum anderen weil sich immer mehr Marktteilnehmer um den nach wie vor begrenzten Kreis von Assessoren mit zwei Prädikatsexamen und zusätzlichen Qualifikationen bemühen.
Die jährliche Gehaltsumfrage der JUVE-Redaktion unter den 50 deutschen Top-Kanzleien sowie ausgewählten Marktteilnehmern ergab Gehaltssteigerungen bei sieben deutschen Praxen. Keine aber hob die Gehälter so deutlich an wie Hengeler.
Mit 90.000 Euro verweist Hengeler gleich drei der bisherigen Top-Zahler, die US-Kanzleien Cleary Gottlieb Steen & Hamilton, Latham & Watkins und Milbank Tweed Hadley & McCloy in Bezug auf das garantierte Festgehaltauf die nachfolgenden Plätze. Alle drei Kanzleien zahlten ihren Associates im vergangenen Jahr zusätzlich einen Bonus. Sie hatten Anfang des Jahrtausends die letzte Gehaltsrunde unter den deutschen Kanzleien maßgeblich bestimmt, als sie ihre Maximalgehalt auf bis zu 87.000 Euro anhoben. Seither mussten die anwaltlichen Mitarbeiter aller Kanzleien vier Nullrunden in Folge hinnehmen.
Marktbeobachter erwarten derzeit allerdings eine neue deutliche Gehaltsrunde unter den deutschen Sozietäten, vor allem weil führende Kanzleien in den USA und Großbritannien ihre Saläre bereits angehoben haben. Bislang verharren die meisten deutschen Praxen noch in Lauerstellung und beobachten die Entwicklungen bei den Büros der US-Kanzleien in Frankfurt, Düsseldorf oder München. Vor diesem Hintergrund kommen die Beschlüsse der Hengeler Partnerschaft vom vergangenen Wochenende überraschend. Entscheidungen von Hengeler im Recruitment-Bereich hatten in der Vergangenheit stets Auswirkungen auf den Markt. Lesen Sie alle Gehaltszahlen deutscher Kanzleien und die ausführliche Analyse der Marktsituation in der kommenden Ausgabe von azur (erscheint am 8. Mai) und im JUVE-Rechtsmarkt (erscheint am 19. Mai).