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25 Mal JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien: Ein Rückblick

In wenigen Tagen erscheint das JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien zum 25. Mal. Bevor Sie dort alle aktuellen Entwicklungen im deutschen Kanzleimarkt erfahren, möchten wir mit Ihnen einen Blick zurück werfen.

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Bei der Premiere des JUVE Handbuch 1998 war der Markt von einer Handvoll deutscher Sozietäten geprägt, einige davon zählten eine beachtliche Menge an Berufsträgern. Doch es zeichnete sich bereits ab, dass wenig später die meisten dieser Namen aus dem Markt verschwunden sein würden. Die Globalisierung startete.

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

1998 – das war die Zeit der OLG-Singularzulassung und von Windows 95 (nur die Nerds hatten schon Windows 98). Internationale Kanzleien? Eine Rarität. Wenn überhaupt, spielten Shearman & Sterling aus den USA und die britische Wettbewerberin Clifford Chance eine gewisse Rolle, alle anderen klangvollen Namen waren kaum mehr als Brückenköpfe ihrer ausländischen Mutterhäuser.

Deutsche Kanzleien pflegten Allianzen – Allianzen, die mit der Jahrtausendwende oft zum Zusammenschluss führten. Bruckhaus, schon damals Teil der Marktspitze, hatte sogar schon mit der Wiener Kanzlei Heller Löber Bahn & Partner fusioniert. Verfolgerin Deringer wiederum hatte eine strategische Allianz mit der britischen Kanzlei Freshfields verkündet, der auch die österreichische Spitzenkanzlei Wolf Theiss beitrat. Heute stehen die Namen Freshfields Bruckhaus Deringer – ohne Wolf Theiss – für Top-Beratung in Deutschland sowie international.

Pünder Volhard Weber & Axster tat sich zur selben Zeit mit der bereits in Deutschland ansässigen britischen Einheit Clifford Chance zusammen.

Döser Amereller Noack war 1998 bereits mit Baker McKenzie verbandelt – eine Partnerschaft, die wenig später in eine Fusion mündete. Der letzte große transatlantische Zusammenschluss unter deutscher Beteiligung ging schließlich 2010 über die Bühne: Die britische Kanzlei Lovells, 2000 durch Fusion mit Boesebeck Droste nach Deutschland gekommen, tat sich mit Hogan & Hartson aus den USA zu Hogan Lovells zusammen.

Ziemlich beste Freunde

Auch die Basis für solide internationale Kooperationen ohne Fusion war vor der Jahrtausendwende bereits gelegt. So kooperierte Hengeler Mueller schon damals regelmäßig mit der US-Einheit Davis Polk & Wardwell – obwohl diese bis 2009 auch ein eigenes deutsches Büro unterhielt. Gleiss Lutz verhandelte sogar mit den Niederländern von Stibbe Simont Monahan Duhot über einen Zusammenschluss. Von dem Plan verabschiedeten sich die Kanzleien zwar wieder, doch sind sie bis heute ziemlich beste Freunde

Einen Mittelweg wählte am Ende Sigle Loose Schmidt-Diemitz, die schon damals eng mit der britischen Kanzlei Cameron McKenna kooperierte. Es war der Anfang des heutigen CMS-Verbunds, einer Verbindung, die zwar keine Fusion ist, aber auch mehr als eine gemeinsame Dachmarke.

Trotz vieler Aufs und Abs, Abspaltungen, Partnerwechsel und Umstrukturierungen erwiesen sich die damals angelegten internationalen Strukturen über 25 Jahre als erstaunlich stabil.

Auf Augenhöhe?

Die meisten grenzüberschreitenden Zusammenschlüsse liefen – glaubt man den damaligen Erklärungen deutscher Kanzleien – auf Augenhöhe. Schon damals war aber die monetäre Kraft von Sozietäten aus dem anglo-amerikanischen Raum größer als die der deutschen, in der Regel waren sie auch deutlich personalstärker und verfügten oft über jahrzehntelange internationale Erfahrung.

Während britische und US-Kanzleien sich in den späten 90er-Jahren daran machten, ihren teils bereits bestehenden internationalen Netzwerken ein deutsches Element hinzuzufügen, machte sich keine einzige der damaligen deutschen Top-Adressen allein auf den Weg, zu einem globalen Player zu werden. Kultur, Historie und Berufsrecht sprachen schlicht dagegen.

Ganz anders bei Freshfields oder Linklaters. Erstere eröffnete in den 1970er-Jahren ihre ersten kontinentaleuropäischen Büros. Linklaters begann damit sogar schon in den 1960ern und hatte Ende der 1970er Dependancen in Mailand, New York, Brüssel, Paris und Hongkong. Baker McKenzie, deren Ursprünge in Chicago liegen, und die heute eine der globalsten Kanzleien überhaupt ist, ging in den 1950ern nach Venezuela, wenig später folgte Europa.

In Deutschland folgten der ersten Fusionswelle weitere. Schließlich fanden auch Spezialkanzleien ihren Weg hierher.

Bei den deutschen Anwaltskammern, aber nicht nur dort, löste die erste Fusionswelle heftige Kontroversen, vereinzelt sogar Panik aus. Von „britisch-imperialistischen Übernahmen“ und „rein profitorientierter US-Hegemonie“ war die Rede und vom „völligen Verlust deutscher Rechtskultur“. Nun – 25 Jahre später – ist klar: So schlimm kam es nicht. Das anwaltliche Abendland ging nicht unter – im Gegenteil, es wächst, blüht und gedeiht. 

Noch. Denn die nächste Disruption ist in vollem Gange: Rührige Gesetzgeber, Legal Tech und Legal Operations schicken sich – verbunden mit der jüngsten Liberalisierung des Berufsrechts – an, den Beratermarkt womöglich noch viel tiefgreifender umzukrempeln, als es die Globalisierung seinerzeit vermochte.

Welche Kanzleien für diese Veränderungen besonders gut aufgestellt sind und wohl auch deshalb (bis) heute zu den Top-Adressen in Deutschland zählen, lesen Sie ab dem 28.10. im neuen JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien.

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