ADAC-Reformen

Entwurf sieht ungewöhnliche Compliance-Struktur vor

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Der ADAC steht kurz vor einem weitreichenden Umbau seiner Strukturen, die deutlich transparenter werden sollen. Eine Variante der Reformpläne sieht dabei JUVE-Recherchen zufolge auch eine hierzulande sehr ungewöhnliche Compliance-Struktur vor.

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Der ADAC steht vor einem weitreichenden Umbau, der seine Strukturen deutlich transparenter machen soll. Neben einer stärkeren Trennung von Vereins- und Wirtschaftsaktivitäten gehört auch ein grundlegend neu aufgestelltes Compliance-System dazu. Eine Variante der Reformpläne sieht dabei JUVE-Recherchen zufolge auch eine hierzulande sehr ungewöhnliche Compliance-Struktur vor.

Nach Wahlfälschungen beim Autopreis Gelber Engel war der ADAC zum Jahresbeginn wegen intransparenter Strukturen stark in die Kritik geraten. Seither überarbeitet Europas größter Automobilclub gemeinsam mit der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer seine weit verzweigten Strukturen. Ende vergangener Woche brachten dann ADAC-Präsidium und Verwaltungsrat Vorschläge auf den Weg. Endgültig darüber entschieden wird auf einer außerordentlichen Hauptversammlung (HV) am 6. Dezember.

Rechtsformwandel steht bevor
Im Vordergrund steht die deutliche Trennung von Vereins- und Wirtschaftsaktivitäten. Seinen Vereinsstatus will der ADAC dabei erhalten. Die bestehende Firmenholding, in der auch ein Großteil der Wirtschaftsaktivitäten gebündelt ist, soll laut Presseberichten in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werde. Der Verein ADAC soll daran nur noch 74,9 Prozent besitzen, die mit einem Vetorecht verbundenen weiteren 25,1 Prozent sollen in Händen einer gemeinnützigen Stiftung liegen.

Deren Spitze soll mit fünf Personen besetzt werden, von denen mindestens zwei externe Mitglieder sind. Anders als bisher soll es nach Medienberichten künftig auch weitgehend nicht mehr möglich sein, dass intern einzelne Personen mehrere Spitzenposten besetzen. Ein ADAC-Sprecher verwies auf JUVE-Nachfrage zu diesen Punkten auf die bevorstehende HV.

Die stärkere Trennung zwischen Vereins- und Wirtschaftsaktivitäten dürfte ein positives Signal des ADAC in Richtung des Amtsgerichts München sein, das seit Monaten die Voraussetzungen für den Vereinsstatus überprüft

Entwürfe für neues Compliance-System
Zur Überwachung der Strukturen und Richtlinien schafft der ADAC ein übergreifendes Compliance-System. Bislang verfügte der Club nur über eine wenig ausdifferenzierte Ethikrichtlinie. Der Reformentwurf sieht JUVE-Informationen zufolge nun zwei zur Auswahl stehende Compliance-Modelle vor, an deren Spitze jeweils ein Chief Compliance Officer (CCO) stehen wird. Eine Option soll dabei eine hierzulande sehr ungewöhnliche eigens geschaffene Compliance GmbH sein. In der anderen Variante stünde der CCO an der Spitze einer eher klassischen Compliance-Abteilung. Die jeweils in der Sache Beauftragten der Regionalclubs würde sich eng mit ihm austauschen. Der ADAC wollte sich auf JUVE-Nachfrage zu der konkreten Ausgestaltung nicht äußern und verwies ebenfalls auf die bevorstehende HV.

Fündig geworden ist der ADAC bei seiner Suche nach einem künftigen Compliance-Chef JUVE-Recherchen zufolge noch nicht. Gespräche mit Kandidaten sollen aber weit fortgeschritten sein. Schon kurz nach Bekanntwerden des Autopreis-Fälschungsskandals im Januar hatte der ADAC beschlossen, seine bisherigen Compliance-Regeln zu prüfen und ein deutlich erweitertes System samt dem neuen Posten eines CCO zu schaffen. Dafür mandatierte er ein Freshfields-Team um die drei Düsseldorfer Partner Dr. Wolfram Rhein, Dr. Tobias Larisch sowie Dr. Peter Niggemann.

In der Folge richtete der ADAC unter anderem einen Beirat mit zahlreichen prominenten Persönlichkeiten ein, so zum Beispiel dem Ex-Bundesverfassungsrichter Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier und Edda Müller, der Deutschland-Chefin von Transparency International. Als neuen Finanzchef holte der ADAC zudem den Compliance-Experten Thomas Kagermaier von der Wirtschaftprüfungsgesellschaft KPMG dazu.

An einigen Stellen hat der Autoclub bereits auf die Kritik reagiert und seine frühere Unternehmenspolitik über Bord geworfen. So schließt er derzeit die ADAC-Werkstätten, weil er selbst Werkstätten testet, zudem verzichtet er inzwischen aus ähnlichen Gründen auch auf den Verkauf von Auto-Kindersitzen. (René Bender)

 

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