Aufarbeitung

Fifa ernennt Compliance-Chef und neue Buchprüfer

Der Weltfußballverband Fifa hat weitere Neubesetzungen vermeldet: Der US-Amerikaner Edward Hanover (42) wurde zu deren neuen Chief Compliance Officer ernannt. Der Jurist tritt seine neue Aufgabe Anfang Oktober an. Zudem bestellte die Fifa nach einer Ausschreibung mit PricewaterhouseCoopers Switzerland eine neue Buchprüferin.

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Edward Hanover
Edward Hanover

Nachdem die Fifa Anfang September bereits den Schweizer Thomas Peyer als neuen Finanzdirektor vorgestellt hatte, der die Aufgaben des entlassenen Deutschen Markus Kattner übernimmt, schließt sie mit dem Zugang von Hanover eine weitere Vakanz. Die Position des CCO war erst Anfang des Jahres mit dem Beschluss der Reformen auf dem Fifa-Kongress geschaffen worden. 

Hanover, der zunächst als Associate bei Dechert und Reed Smith begann, arbeitete bereits als Inhouse-Jurist für den Pharmakonzern Novo Nordisk in der Schweiz. Aktuell kommt er von Takeda Pharmaceuticals International in Singapur, wo er als Compliance-Chef für die Schwellenländer fungierte. In seiner neuen Funktion wird er an die Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura berichten. Er soll zudem eng mit der Abteilung Legal & Integrity zusammenarbeiten, die von Marco Villiger geleitet wird. Villiger ist seit Juli nicht nur für die Rechtsabteilung, sondern als Stellvertretender Generalsekretär für die gesamte Administration zuständig.

Neue Wirtschaftsprüfer am Start

Das Buchprüfungsmandat der Fifa musste neu vergeben werden, nachdem KPMG ihr Amt nach sechzehn Jahren niedergelegt hatte. Die Ernennung von PwC ist vorläufig befristet bis zum Fifa-Kongress im Mai 2017. Dann soll ihre Auswahl bestätigt werden und die WP-Gesellschaft – gemäß den Fifa-Statuten – einen Dreijahresvertrag erhalten.

KPMG war ursprünglich auch für die Jahre 2015 bis 2018 bestellt worden, hatte jedoch ihr Amt im Frühsommer ohne weitere Begründung niedergelegt. Auf JUVE-Nachfrage, ob sie sich bezüglich der Mandatsniederlegung und der Ermittlungen rund um den Fußballverband habe anwaltlich beraten lassen, teilte ihr Sprecher damals mit: „Wir äußern uns nicht zu Inhalt, Art und Weise, wie wir mit Kunden und Mandaten umgehen.“ Auch die Art und Weise, wie die Fifa über die Mandatsniederlegung berichtete, ließ darauf schließen, dass sich die Trennung nicht im friedlichen Einvernehmen vollzog.

Schritte zum Neuanfang

Die Fifa hingegen betont nun, mit der neuen Prüfungsgesellschaft ihren Reformprozess vorantreiben zu wollen. Der Verband ist nicht zuletzt mit Blick auf die US-amerikanischen Ermittlungsbehörden und die Schweizer Staatsanwaltschaft darauf bedacht, nicht selbst als kriminell agierendes Unternehmen eingestuft zu werden, sondern als eine Organisation, die Opfer von korrupten Funktionären wurde. Unterstützt wird der Aufarbeitungsprozess von den Kanzleien Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan sowie Niederer Kraft & Frey.

Im Juli hatte der Züricher Dachverband bereits einen neuen Vorsitzenden für die Audit- und Compliance-Kommission benannt. Der slowenische Jurist Tomaž Vesel muss nicht nur die Aufträge an die Buchprüfer jeweils genehmigen. Er steht auch der Vergütungskommission vor, der seit Ende August auch ein deutscher Jurist angehört: Dr. Peter Braun von Dentons wurde als drittes unabhängiges Mitglied für diesen Unterausschuss ernannt, der jüngst auch die Vergütung des Fifa-Präsidenten sowie der Generalsekretärin festlegt hat.

Schlanke Form für große Gelder

Das Vereinskapital der Fifa betrug laut ihrem letzten Jahresbericht gerade einmal fünf Millionen Schweizer Franken. Doch der gemeinnützige Verein nach schweizerischem Recht ist zugleich ein milliardenschweres Unternehmen. Seine Buchprüfungshonorare lagen im vergangenen Jahr bei 1,3 Millionen US-Dollar, hinzu kamen Bestätigungen für weitere Prüfungshandlungen in Höhe von etwa 2,2 Millionen und forensische Dienstleistungen im Wert von 712.000 Dollar.

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