Die EU-Kommission will künftig Schattenbanken stärker kontrollieren und nimmt dafür zunächst die sogenannten Geldmarktfonds ins Visier. Der EU-Binnenkommissar Michael Barnier will bestimmte Geldmarktfonds verpflichten, künftig einen Kapitalpuffer in Höhe von drei Prozent ihres verwalteten Volumens vorzuhalten.
Die Einführung einer harten Kapitalquote, die Züge der Bankenregulierung erkennen lässt, soll künftig Panikverkäufe verhindern und für Stabilität am Finanzmarkt sorgen. Die umstrittenen Fonds werden als einer der Auslöser der Finanzkrise angesehen. Darüber hinaus sieht der EU-Plan weitere Staffelungen bei den Vermögensanteilen vor. So müssen Geldmarktfonds 20 Prozent der Anteile halten, die innerhalb einer Woche auslaufen. Für weitere zehn Prozent gilt eine Tagesfrist.
Aus Deutschland gibt es unterschiedliche Kritik an Barniers Plänen. Die verschiedenen politischen Lager kritisieren das schleppende Tempo – für die Umsetzung der Pläne gilt eine Übergangsphase von drei Jahren – sowie deren fehlenden Reichweite. Dagegen merken einzelne Aufsichtsrechtsexperten an, dass die EU mit den Geldmarktfonds gerade diejenigen besonders rigide angehe, die während der Kreditkrise für investitionsfreudige Unternehmen häufig die einzige Möglichkeit waren, sich Fremdkapital zu beschaffen.
Zudem gibt es für die EU-Behörden bereits Probleme bei der Definition, welche Institute als Schattenbanken gelten. Aufsichtsexperten zählen dazu zunächst Finanzhäuser, die ohne eine erforderliche Banklizenz Kredite vergeben. Als sogenannte Kapitalvergabestellen könnten aber auch bestimmte Arten von Hedgefonds, Versicherungen und Vermögensverwaltern darunter gefasst werden.
Der globale Schattenbankensektor wird auf ein Volumen von rund 51 Billionen Euro geschätzt, davon soll knapp die Hälfte in der EU angesiedelt sein. In Europa haben Geldmarktfonds ihren Sitz vor allem in Irland, Luxemburg und Frankreich.