Dewey & LeBoeuf bereitet nach US-Presseberichten nun doch einen Insolvenzantrag vor. Dieser soll wahrscheinlich bereits in den kommenden ein bis zwei Wochen eingereicht werden. Zuletzt hatte die Sozietät noch eine außergerichtliche Liquidation angestrebt.
Die veränderte Strategie in Richtung eines Insolvenzverfahrens hängt offenbar maßgeblich mit neuen Gläubigern sowie einem neuen Restrukturierungsberater zusammen, den Dewey in der vergangenen Woche engagiert hat. Beide erhöhen nun den Druck auf die Kanzlei, deren Auflösung durch einen gerichtlich bestellten Verwalter durchzuführen. Nach US-Presseberichten hatten Investoren Kredite von Dewey am sogenannten Zweitmarkt für 45 bis 55 Cent je Dollar aufgekauft. Im Anschluss wurde der bisherige Restrukturierungsberater Development Specialists Inc (DSI) durch den Wettbewerber Zolfo Cooper ersetzt.
Seither ist die Kanzlei von ihren Plänen, ein Insolvenzverfahren zugunsten einer außergerichtlichen Lösung zu verhindern, abgekehrt. Dies war lange das Ziel der mit Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 225 Millionen US-Dollar belasteten Kanzlei. Dafür hatte sich bis zuletzt auch Martin Bienenstock stark gemacht, einer der Top-Insolvenzexperten der USA und Mitglied des fünfköpfigen Führungsgremiums von Dewey.
Er hatte dann aber vor gut einer Woche die Kanzlei verlassen. Nachdem nun vor wenigen Tagen auch der Washingtoner Partner Charles Landgraf Dewey den Rücken kehrte und sich Arnold & Porter anschloss, sind alle Mitglieder der Kanzleispitze Deweys gegangen. Um die Abwicklung des täglichen Restgeschäfts wird sich nun voraussichtlich vor allem Stephen Horvath kümmern.
Noch nicht einmal mehr als 50 der ursprünglich weltweit 300 Partner sind in der Kanzlei verbleiben. Auch das einzige deutsche Büro ist inzwischen nahezu komplett verwaist (mehr…). Von den Equity-Partnern sind lediglich der Corporate-Spezialist Dr. Benedikt von Schorlemer und die Prozessexpertin Dr. Tanja Pfitzner noch nicht bei neuen Kanzleien eingestiegen. (René Bender)