Die Nachricht kommt zur gleichen Zeit wie der angekündigte Abbau von rund 80 Arbeitsplätzen im Londoner Büro. Doch sollen beide Maßnahmen nicht in unmittelbaren Zusammenhang stehen. Der deutsche Managing Partner Dr. Hans-Josef Schneider erklärte gegenüber JUVE: „Mit dem geplanten Abbau von Stellen in London hat die Kapitalerhöhung nichts zu tun. Schon vor den Sommerferien hatten wir dazu im Management-Kommitee Überlegungen angestellt. Im September gab es die entsprechende Abstimmung in der Partnerschaft dazu. Im November waren die Beträge fällig.“
Schneider erläutert die Hintergründe der erfolgten Kapitalerhöhung detailliert: „Ziel ist es, auch im kommenden Jahr eine stabile Kapitalbasis zu sichern. Wir waren zuletzt stark gewachsen mit neuen Büros in Kiew und Abu Dhabi sowie starken Zuwächsen in einigen osteuropäischen Standorten. Das bedeutet unter anderem zusätzliche Gehälter und neue Räumlichkeiten.“
Es ginge überdies auch darum, Vorsorge zu treffen für den Fall, dass das Umsatzwachstum nicht mehr in der bisherigen Form anhalte. Auch für die zeitliche Spanne, die zwischen dem Erbringen der Beratungsleistung, dem Schreiben der Rechnungen und deren Begleichung liege, bedürfe es einer Kapitalisierung in angemessener Höhe. „Die Finanzkrise hat noch einmal unterstrichen, wie wichtig eine vorsorgende Finanzplanung ist“, so Schneider. „Aber die Finanzkrise war nicht Auslöser der Maßnahme.“
Die Kanzlei überlasse es den Partnern, ob sie den eingeforderten Betrag bei der nächsten Ausschüttung stehen lassen oder ob sie die Ausschüttung annehmen und eine andere Form der Finanzierung des Betrags wählen wollen. Abgesehen von regelmäßigen monatlichen Zahlungen schüttet Clifford Chance Gewinne erst im Folgejahr aus.
Clifford, nach Schneiders Angaben eigenkapitalfinanziert und ohne Bankverbindlichkeiten, hatte bereits 2006 weit vor der Krise eine Kapitalerhöhung durchgeführt.
Allerdings gilt Clifford mit ihrer starken Praxis im Bank- und Finanzrecht sowie einem durch die hohe Leverage bedingten hohen Kostenblock auch als eine der Kanzleien, die die aktuelle Finanzkrise stark zu spüren bekommen haben. Auch im Immobilien- und Private-Equity-Sektor ist sie traditionell sehr stark aufgestellt – weiteren von dem Abschwung heftig getroffenen Branchen. Die britische Branchenzeitung ‚The Lawyer‘ zitierte den weltweiten Chef David Childs damit, er habe den Partnern bereits mitgeteilt, sie sollten sich darauf einstellen, dass die Gewinne im kommenden Jahr deutlich geringer ausfallen würden.
Mit ihren Maßnahmen ist Clifford indes nicht die einzige Kanzlei, die auf die gegenwärtige Krise reagiert. „Alle Kanzleien schütten derzeit sehr konservativ aus“, sagte der Finanzchef einer anderen Großkanzlei. Bekannt wurde zum Beispiel, dass Dewey & LeBoeuf sich kürzlich entschlossen hatte, einen Teil ihrer Partnerausschüttungen einzufrieren.
Erstmals veröffentlicht auf www.juve.de am 12. Januar 2008