Welchen Beruf haben sich Ihre Eltern für Sie vorgestellt?
Meine Eltern wollten neutral sein und haben mich zum Arbeitsamt geschickt, wo man damals einen
Neigungstest machen konnte. Ergebnis war völlig klar: Landschaftsgärtnerin.
Bei stinkenden Fischsubstanzen zum Frühstück hört der Spaß auf. Dr. Annika Clauss bevorzugt die harmlosere Variante des typisch chinesischen Frühstücks: Reisbrei mit Hühnchen und roten Datteln. Den kochte sie regelmäßig gemeinsam mit ihren WG-Mitbewohnern während ihrer Zeit in Peking. Für Hengeler Mueller war sie dort, um in der Private-Equity-Abteilung des chinesischen Staatsfonds CIC zu arbeiten. Mittlerweile ist sie zurück, aber bei Transaktionen und im Gesellschaftsrecht auf China abonniert, allein im vergangenen Jahr reiste sie sechs Mal dorthin.
Früher analysierte sie Tümpelwasser
Ihr Sinologiestudium, das sie neben Jura absolvierte, zahlt sich damit voll aus. Dabei war der Aufwand erheblich. Zwei Stunden pro Tag brachte Annika Clauss während des vierjährigen Studiums damit zu, Schriftzeichen zu malen. „Das hatte etwas Meditatives“, sagt sie. Schließlich lerne man zwar analytisches Denken im Jurastudium, aber das Künstlerische gehe dabei etwas verloren. Sinologie war die perfekte Ergänzung.
Genauso wie die Promotion in Hamburg und der LL.M. in Harvard, die folgten. Dass sie es bei Hengeler Mueller bis in die Partnerriege schaffte, überrascht vor diesem Hintergrund nicht allzu sehr. In die Wiege gelegt war ihr die Juristerei allerdings nicht. Mit ihrem Vater, einem Biologieprofessor, analysierte sie als Kind gern Wasserproben aus „irgendwelchen Tümpeln“. China und Reisbrei zum Frühstück lagen damals noch in weiter Ferne. Den Brei als morgendliches Ritual wollte sie eigentlich in Deutschland beibehalten. Aber das – immerhin – hat sie nicht geschafft. Gegen ein duftendes Schokocroissant kann Reis dann doch nicht anstinken.