Erst Gutachter, dann Verwalter – Prager betreut Intertainment

Dr. Martin Prager von Pluta Rechtsanwälte ist seit Ende März vorläufiger Insolvenzverwalter der Münchner Intertainment AG und der Intertainment Licensing GmbH. Intertainment ist seit 1993 im internationalen Filmrechtehandel tätig und seit 1999 börsennotiert. Die letzten Jahre der Firmengeschichte waren geprägt von langwierigen juristischen Auseinandersetzungen in den USA. Kurz vor dem Insolvenzantrag hatte der Firmengründer und Hauptaktionär Rüdiger Baeres sein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats niedergelegt. Eine seit längerer Zeit befürchtete Insolvenz war Ende 2005 drohender geworden, nachdem die HVB als Gläubigerin einen Prozess um zehn Millionen Euro gegen Intertainment gewonnen hatte. Der Aufsichtsrat hatte daraufhin dem Vorstand die Aufnahme von Verhandlungen über die Fortführung des Unternehmens empfohlen. Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist Dr. Matthias Heisse von Heisse Kursawe Eversheds.

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Das Amtsgericht München hatte den nun bestellten Verwalter Prager bereits Mitte Februar beauftragt, ein Gutachten über Intertainment zu erstellen und darin die Liquidität des Unternehmens zu prüfen. Ursprünglich hatte im Januar Dr. Michael Jaffé diesen Auftrag des Gerichts erhalten; allerdings hatte Jaffé nach kurzer Zeit darum gebeten, von dieser Aufgabe entbunden zu werden. Jaffé konnte, so hieß es im Februar in einer Ad-hoc-Mitteilung der Intertainment AG, „eine Berührung zu anderen Insolvenzverfahren nicht ausschließen“ und wollte mit der Rückgabe die Möglichkeit einer etwaigen Interessenkollision vermeiden.

Vorläufiger Insolvenzverwalter der Drebacher Fleischwaren GmbH ist Christoph Junker von Junker & Kollegen. Das Unternehmen aus dem Erzgebirge hat 114 Mitarbeiter und geriet nicht zum ersten Mal in die Krise: Bereits 2001 wurde eine Insolvenz beantragt, als die europaweiten BSE-Fälle den Absatz von Fleischprodukten einbrechen ließen. Die Fortführung des Betriebs gelang, und auch jetzt geht Junker davon aus, „dass das Unternehmen langfristig am Markt erhalten werden kann“.

Eher Wurst als Käse würde man auch aus dem westfälischen Kreis Borken erwarten, doch es war die Spezialitäten-Käserei De Lucia aus Heiden, die im Dezember 2005 Insolvenz anmelden musste. Verwalter Horst Piepenburg von Piepenburg – Gerling konnte nach einem guten Vierteljahr eine Fortführung des Betriebs im Rahmen eines Asset Deals und die Rettung von 58 Arbeitsplätzen melden. „Dadurch ist gewährleistet, dass der Betrieb ohne die Belastungen der Insolvenz fortgeführt werden kann“, sagte Piepenburg. Käufer ist die Saputo Inc., eine börsennotierte Gesellschaft aus dem kanadischen Toronto, die in Kanada, den USA und Argentinien rund 8.500 Mitarbeiter beschäftigt.

Molkereiprodukte und andere Lebensmittel transportiert die Klaus Fendler Internationale Transporte GmbH aus Edling – auch weiterhin, wenn es nach dem vorläufigen Insolvenzverwalter Martin Schoebe von hww Wienberg Wilhelm geht. Er hat mit der Geschäftsführung eine Umstrukturierung des 208 Mitarbeiter zählenden Unternehmens eingeleitet und hofft, möglichst bald Investoren zu finden.

Einen Investor wie die Meidel-Gruppe, möglicherweise: Diese übernimmt jetzt zwei insolvente Brandenburger Speditionen. Schmeling Logistik, verwaltet von Rolf Rattunde, und Möller + Schuster Spediteure, verwaltet von Ulrich Weber, werden Teil der Meidel-Gruppe, die ihren Stammsitz im bayrischen Markt Einersheim hat. Beide Verwalter stammen aus der Berliner Kanzlei Leonhardt & Partner und konnten dadurch nach eigener Auskunft schnell zu einer Gesamtlösung für die beiden insolventen Fernverkehrsfirmen finden. Die Unternehmen hatten gleichzeitig beim Amtsgericht Potsdam den Antrag auf Insolvenz gestellt, nachdem sie sich von einem „schleppend zahlenden“ Großkunden getrennt hatten. Von 65 Arbeitsplätzen wurden 52 erhalten, der Fuhrpark wurde an die neue Auftragslage angepasst.

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