Fifa-Bilanz

Mehr als ein Zehntel des Umsatzes geht für Rechtsberatung drauf

Das vergangene Jahr war teuer für die Fifa: Laut Jahresbericht schloss der Weltfußballverband mit einem Defizit von 369 Millionen US-Dollar ab, das entspricht knapp 350 Millionen Euro. Besonders hoch waren diesmal die Rechtskosten, die sich nicht zuletzt aufgrund der umfangreichen internen Untersuchung auf rund 62 Millionen Dollar beliefen. Davon entfielen knapp vier Millionen auf das verbandsinterne Gerichtssystem.

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Hauptsitz der FIFA
Hauptsitz der FIFA

62 Millionen Dollar an Rechtskosten – das entspricht beinahe der Summe, die der Verband im vergangenen Jahr für ihr gesamtes Führungs- und Verwaltungspersonal ausgegeben hat. Vor Kurzem teilte die Fifa mit, die im Sommer 2015 eingeleiteten internen Ermittlungen seien abgeschlossen. Damals hatten die Behörden in den USA und in der Schweiz dem Fifa-Management unter anderem Bestechung und Korruption vorgeworfen. Daraufhin arbeiteten sich große Teams der Kanzleien Niederer Kraft & Frey und Quinn Emmanuel Urquhart & Sullivan durch die Firmenzentrale und führten zahlreiche Interviews mit Zeugen.

Während der knapp zweijährigen Untersuchung wurden 2,5 Millionen Dokumente gesichtet. Der Abschlussbericht umfasst 1.300 Seiten und eine Anlage von 20.000 Beweisstücken. Veröffentlicht wurde der Abschlussreport bislang nicht, mit dem Verweis auf die noch laufenden strafrechtlichen Ermittlungen. Er liegt den Schweizer Behörden aber vor, und die Fifa hat sich damit einverstanden erklärt, dass die Ergebnisse den US-Behörden zur Verfügung gestellt werden.

Es ist noch nicht ausgestanden

Derzeit sieht sich die Fifa nämlich noch im Fokus von Ermittlungen sowohl des US-Justizministeriums (DoJ) als auch der Schweizer Staatsanwaltschaft. Diese Untersuchungen könnten sich auch noch ausweiten, heißt es in dem jährlichen Finanzbericht, der am Freitag veröffentlicht wurde. Da sich der Verband aber primär in der Opferrolle sieht und umfassend kooperiert, bildet er keine Rücklagen für Strafzahlungen und Bußgelder im Korruptionsverfahren. In manchen Streitfragen sei die Fifa aber auch die Beklagte. Worum es dabei konkret geht, bleibt unklar, doch der Rückstellungssaldo zum Jahresbeginn 2017 über 261 Millionen Dollar lässt auf offene internationale Prozesse schließen.

Die Rechtskosten für interne Untersuchungen hofft das Fifa-Management schon im laufenden Jahr von 50 auf 14 Millionen zu senken, die sonstigen Kosten im allgemeinen Rechtsbereich, die 2016 bei etwa 12 Millionen lagen, sollen sich dafür in diesem Jahr auf rund 15 Millionen erhöhen. Hintergrund dafür könnte auch der Aufbau einer professionellen Compliance-Struktur sein. Im Herbst hatte die Sportorganisation den Amerikaner Edward Hanover zum Chief Compliance Officer ernannt.

Der Apparat wird transparenter

Teil der Reformbemühungen ist auch die höhere Transparenz bei den Vergütungen. Der Frankfurter Dentons-Parter Dr. Peter Braun beispielsweise, der im vergangenen Jahr als zusätzliches, unabhängiges Mitglied in den dreiköpfigen Vergütungsausschuss berufen wurde, rechnete auf Stundenbasis insgesamt 30.880 US-Dollar ab. Der  Vorsitzende der Audit- und Compliance-Kommission Tomaž Vesel erreichte ein Gesamtsalär von 125.000 Dollar binnen der sechs Monate, die er dort tätig ist. Der Leiter der Dispute-Resolution-Kammer kam auf 100.000 Dollar, sein Stellvertreter erhielt 36.000 Dollar. Die Vergütungssysteme werden im Laufe dieses Jahres überprüft und gegebenenfalls neu justiert, kündigte die Fifa an.

Insgesamt 3,9 Millionen Dollar fielen im verbandsinternen Gerichtssystem an, das aus mehreren Kammern besteht. Mithilfe von eigenen Ermittlungen, Geldstrafen und Berufsverboten soll es über die Einhaltung der Fifa-Ethikregeln wachen. Auch deutsche Fußballmanager mussten sich dort schon verantworten, darunter Organisatoren der Fußball-WM 2006.

Welche Bezüge die einzelnen Kammervorsitzenden haben, wurde in dem jüngsten Fifa-Jahresbericht nicht aufgeschlüsselt, nur die Gesamtkosten ihrer Einheiten:


Neue Stellschrauben im System

Neben dem zackigen Abschluss der internen Untersuchung gab es zuletzt auch eine überraschende Berufung bei der Fifa: Die deutsche Sportrechtlerin und Korruptionsexpertin Sylvia Schenk von Transparency International Germany zog in den neuen, unabhängigen Beirat der Fifa ein. Das Gremium soll über die Einhaltung der Menschenrechte wachen. Schenk hatte in der Vergangenheit das ‚System Fifa‘ und die Vergabepraxis der Fußballspiele scharf kritisiert.

Der Sportverband als Konzern und gemeinnütziger Verein hat im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von gut 500 Millionen Dollar erwirtschaftet. Rund 204 Millionen erzielte die Fifa mit der Verwertung von Lizenzrechten, etwa 114 Millionen mit Marketingrechten und knapp 96 Millionen mit Übertragungsrechten. Die Umstellung auf den neuen Ertragserfassungsstandard IFRS 15 ist  vollzogen, was obendrein höhere Kosten verursacht hat. Für dieses Jahr kalkuliert  das Management gar mit einem Verlust von knapp 490 Millionen Dollar. Erst 2018 – so prognostiziert man mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft in Russland – würden die Einnahmen die Ausgaben wieder deutlich übersteigen.

Von der Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers Schweiz unterzeichneten Patrick Balkanyi als federführender Partner sowie Wirtschaftsprüfer Christoph Beeri das Audit-Kapitel im Finanzbericht. Sie hatten neben dem hohen Betrugsrisiko bei der Fifa auch zu prüfen,  welche finanziellen Auswirkungen die laufenden Ermittlungen der Schweizer und US-Behörden haben. Wenigstens die Auditkosten sanken schon sichtbar von 1,3 Millionen US Dollar im Jahr 2015 auf gut 1 Million. Die Revisionsgesellschaft Pricewaterhouse­Coopers kam im vergangenen Sommer zum Zug, nachdem die langjährige Prüferin KPMG ihr Mandat vorzeitig niedergelegt hatte.

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