Die vor allem auf die Gebiete Haftungs- und Versicherungsrecht sowie Wettbewerbsrecht spezialisierte Frankfurter Kanzlei Patzina zerbricht zum kommenden Januar in zwei Teile. Namenspartner Dr. Reinhard Patzina (62) startet dann unter dem Namen Patzina Lotz mit sieben Berufsträgern. Die andere Gruppe um den IP-Rechtler Dr. Andreas Bock (53) geht als Bock Legal mit einem Team von 14 Anwälten an den Markt. Der Trennung vorausgegangen war eine gerichtliche Auseinandersetzung, die jetzt mit einem Vergleich endete.
Die neue Einheit Patzina Lotz wird ihren Schwerpunkt im Prozessrecht haben. Insbesondere Haftungs- und Versicherungsrecht stehen dabei im Mittelpunkt. Daneben deckt die Sozietät auch die Gebiete Steuerrecht, Gesellschafts- und Arbeitsrecht ab. Auch der gewerbliche Rechtsschutz soll noch eine gewisse Rolle spielen, aus der Beratung in markenrechtlichen Fragen zieht sich diese Einheit dagegen zurück. „Unsere Meinungsverschiedenheiten hatten auch damit zu tun, dass wir unterschiedliche Beratungsschwerpunkte hatten. Wir waren uns nicht einig, in welche Richtung sich die Kanzlei weiterentwickeln soll“, sagte Thorsten Lotz (48).
Neben Patzina und Lotz steigt Dr. René Matz (37) als Partner in die neue Kanzlei ein, außerdem gehören vier Associates zum Gründungsteam. Mittelfristig will Patzina Lotz personell wachsen. Angestrebt ist eine Größe von zehn bis zwölf Anwälten. Vor allem die beiden Namenspartner haben einen guten Namen im Markt, Patzina in erster Linie im Haftungs- und Prozessrecht. So erstritt er etwa die steuerliche Abzugsfähigkeit von Krankenkassenbeiträgen beim Bundesfinanzhof und beim Bundesverfassungsgericht. Lotz ist für seine Arbeit im Aktien- und Steuerrecht anerkannt, etwa für steueroptimierte Restrukturierung von Konzernen und Holdingstrukturen.
Bock Legal setzt hingegen das im Wesentlichen auf zwei Säulen basierende Geschäftsmodell der bisherigen Sozietät Patzina mit den Schwerpunkten im Gewerblichen Rechtsschutz und Versicherungsrecht fort: Unter dem Namen firmieren zukünftig das komplette IP-Team der alten Kanzlei um die Partner Dr. Andreas Bock, Dr. Jan Müller-Broich (39) und Michael Fügen (52) sowie die Partner Dr. Dirk Schmitz (38) und Stefan Bank (35), beide auf Versicherungs- und Regressrecht spezialisiert. Zum Januar wird außerdem der Marken- und Wettbewerbsrechtler Dr. Reinhard Döring (39), bisher Associate-Partner der Kanzlei, zum Vollpartner ernannt. Damit startet Bock Legal mit sechs Partnern und acht Associates. Insgesamt werden zehn Anwälte im Gewerblichen Rechtsschutz und vier im Bereich Versicherungsrecht tätig sein. „Unter der neuen Fimierung Bock Legal gewinnen unsere bisherigen Schwerpunkte Haftungsrecht und Gewerblicher Rechtsschutz weiter an Profil“, sagte Andreas Bock. Neben den beiden Schwerpunkten wird die Kanzlei jedoch auch weiterhin andere Rechtsgebiete abdecken.
Dr. Andreas Bock gehört bundesweit zu den führenden Wettbewerbsrechtlern und ist im Frankfurter Raum auch ein bekannter Patentrechtler. Zu den namhaften Mandanten des IP-Teams gehören zahlreiche italienische Unternehmen wie die Modekonzerne Gianni Versace oder Gucci, für die die Anwälte häufig in Prozessen und bei der Verfolgung von Produktpiraterie tätig sind. Schmitz und Bank sind dagegen insbesondere im Bereich D&O-Haftung und Regresse gegen Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Anwälte tätig. Zu den Mandanten der ebenfalls überregional bekannten Anwälte gehören unter anderem Unternehmen wie Allianz, HDI Gerling, Victoria und die Versicherungsstelle Wiesbaden. Ob sie diese Gruppe von Versicherern auch in der neuen Einheit beraten werden, stand zum Redaktionsschluss noch nicht fest.
Die nun auseinanderfallende Kanzlei Patzina war 1998 von Patzina, Bock und Lotz sowie Dietmar Aigner gegründet worden. Zuletzt waren dort 21 Rechtsanwälte tätig. Aigner, ebenfalls ein bekannter Jurist im Gewerblichen Rechtsschutz, ist mittlerweile nicht mehr als Anwalt tätig.