Seit er 2003 in die Münchner Insolvenzverwaltungspraxis stieß, wurde Gaede vor allem im Münchner Umland (Augsburg und Mühldorf/Inn) bestellt. Jüngst übernahm er die Verwaltung der in die Pleite geschlitterten Augsburger Flughafenbetreiber-Gesellschaft (JUVE 08/05).
Der Anwalt war schon seit 2000 bei Haarmann. Er hatte jedoch zunächst in Düsseldorf unter dem später ausgeschiedenen Leiter der Insolvenz- und Restrukturierungspraxis, Michael Thierhoff, in der Sanierungsberatung gearbeitet. Davor war Gaede kaufmännischer Leiter eines weltweit tätigen Papierherstellers. Mit dem Insolvenzrecht war er beim Dürener Verwalter Jörg Zumbaum in Kontakt gekommen, wo er 1997 seine Laufbahn begann.
Auch der zweite Münchner Insolvenzverwalter Daniel Bauch wird sich von Haarmann trennen. Der National Partner scheidet voraussichtlich Ende des Jahres aus. Bauch, der bislang an den Gerichten Landshut und Memmingen bestellt wird, war seit Oktober 2000 im Münchner Büro von Haarmann tätig. Über seine weiteren beruflichen Pläne wollte er sich noch nicht äußern. Wie Gaede wird auch Bauch der Insolvenzverwaltung treu bleiben.
Haarmann dagegen will sich künftig noch stärker als bislang auf die insolvenznahe Beratung von Banken und Großunternehmen konzentrieren. Dies hätte aus Sicht von Gaede und Bauch fast zwingend zu dauernden Interessenkonflikten geführt, so dass sie am Ende nicht frei für die Bestellung bei Gericht gewesen wären.
Allerdings scheint die Insolvenzverwaltung in München ohnehin ein Fremdkörper geworden zu sein. Der örtliche Office Managing Partner Prof. Dr. Claus Schild sagte: „Die Insolvenzverwaltung unterscheidet sich in der Struktur des Geschäfts deutlich von unserer ansonsten stark transaktionsorientierten Praxis.“
Offensichtlich ist, dass das Konkurrenzverhältnis zwischen Insolvenzverwaltung und Sanierungsberatung kein auf München begrenztes Phänomen ist. Der nun als letzter Verwalter bei Haarmann verbliebene Hamburger Anwalt Stefan Denkhaus, der erst kürzlich zum Internationalen Partner ernannt worden war, ist viel stärker als seine Münchner Kollegen auch in das Beratungs- und Transaktionsgeschäft von Haarmann eingebunden. Denkhaus’ ehemaliger Kompagnon in Hamburg, Uwe Kassing, war dagegen fast ausschließlich auf Verwaltung fixiert und hatte die Kanzlei im Herbst 2003 verlassen (JUVE 10/03).
Zugleich verfolgt Haarmann ohnehin seit längerem einen Strategiewechsel. Nach den Abgängen der beiden Leiter der Insolvenz- und Restrukturierungspraxis, Michael Thierhoff und Thomas Illy, Anfang 2004, rückte die multidisziplinäre Sozietät mehr und mehr von der Verwaltung ab. Mit Thierhoff und Illy, die beide neben der Beratung auch Verwaltung betrieben haben, zählte Haarmann noch sieben Verwalter in ihren Reihen, die in den Büros Hamburg, Düsseldorf, Leipzig, Frankfurt und München tätig gewesen waren. Nun wird der Bereich von dem Berliner Partner Andreas Ziegenhagen geleitet, der als Anhänger einer bundesweit verknüpften Sanierungsberatungspraxis bei Haarmann gilt.