JUVE: Jahrelang fiel es Ihrer Kanzlei schwer, das Geschäft zu stabilisieren. Nun haben Sie mit 33 Prozent eine enorme Steigerungsrate hingelegt. Wie kommt’s?
Markus Schackmann: Die Anbindung an Deloitte hat deutlich besser geklappt als in den Vorjahren. Wir konnten das Potenzial, das darin steckt, Teil eines so großen Netzwerks zu sein, besser nutzen. Auch merken wir, dass der Integrationsprozess erfolgreich abgeschlossen werden konnte.
Das heißt konkret?
Insbesondere unsere strategische Ausrichtung hin zu einer engeren Verzahnung unserer Rechtsberatung mit den Dienstleistungen von Deloitte, zum Beispiel mit Financial Advisory im Bereich M&A, mit Tax bei Umstrukturierungen oder Consulting bei IT-Themen sowie im Arbeitsrecht, trägt Früchte. Auch nahm die Beratung im Bereich Compliance mit dem gezielten Ausbau durch neue Experten und ein neues Beratungsangebot sowie damit einhergehend dem Einstieg in große Untersuchungsmandate sehr stark zu.
Der Vorstandsvorsitzende von Deloitte, Prof. Dr. Martin Plendl, scheint für die Zukunft jedoch andere Rechtsgebiete im Fokus zu sehen. Denn aus seiner Sicht liegt das Thema für die gesamte Gesellschaft in der sogenannten digitalen Transformation.
Das kann ich absolut unterstreichen. In den Bereichen Gesellschaftsrecht und M&A haben wir uns zuletzt hervorragend entwickelt und sind jetzt gut aufgestellt, die Zukunft liegt sicher überwiegend auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel Intellectual Property oder dem Umgang mit neuen Technologien. Allerdings können wir uns jetzt schon kaum mehr vor Arbeit retten.
Das heißt, Sie werden auch in diesem Geschäftsjahr nochmal ordentlich zulegen? Zuletzt haben Sie rund 26 Millionen Euro erwirtschaftet.
Ich gehe davon aus, dass wir mit Geschäftsjahresende im Mai 2017 mindestens 30 Millionen Euro erreichen werden. Wir nähern uns damit Schritt für Schritt den 35 Millionen, die das internationale Netzwerk von der deutschen Praxis erwartet. Noch schöner wären natürlich 50 bis 60 Millionen Euro.
Sie wachsen zwar derzeit gefühlt jeden Monat mit einem Quereinsteiger. Aber eine kurzfristige Verdopplung des Umsatzes ist so wohl kaum zu machen?
Sie haben recht. Wir haben zwar in den vergangenen 18 Monaten sehr gute Quereinsteiger in fast allen Büros gewonnen, auch in für uns neuen Bereichen wie dem Bankaufsichtsrecht. Aber ein so schnelles Wachstum könnten wir nur mit größeren Teams oder der Fusion mit einer anderen Kanzlei schaffen.
Das sind ja ganz neue Töne!
Ja, aber die Wachstumsziele von Deloitte Deutschland sind auch ambitioniert. Und das Geld für Investitionen ist da.
Und womit wollen Sie ganze Teams locken? Was können Sie besser als andere?
Unsere internationale Abdeckung ist ein Vorteil, genauso wie die Vielzahl der Disziplinen, in denen wir beraten. So haben wir aktuell als Gesamtfirma über unsere US-amerikanische Consulting-Sparte den Auftrag erhalten, die Aufspaltung eines internationalen Konzerns zu begleiten – solche globalen Mandate in dieser Größenordnung bekommen Sie leichter, wenn Sie in unserer Liga der Professional Firms spielen.
Das Gespräch führte Jörn Poppelbaum