Mit jeweils 18 Prozent entfallen weitaus weniger Kosten auf Boutiquen und deutsche Großkanzleien. Dabei werden Boutiquen genauso regelmäßig mandatiert wie internationale Großkanzleien – nur kosten sie eben weniger. Deutsche Großkanzleien sind hingegen nur in ausgewählten Fällen erste Wahl für Unternehmensjuristen hierzulande, vor allem bei nationalen Transaktionen und Umstrukturierungen. Nur fünf Prozent der Befragten geben für diese Kanzleien mehr als die Hälfte ihres Beraterbudgets aus. Zum Vergleich: Internationale Großkanzleien hingegen kassieren bei 23 Prozent der Unternehmen mehr als die Hälfte.
Deutsche Großunternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern geben sogar fast ein Drittel ihres Budgets für internationale Großkanzleien aus. Erst danach folgen mittelständisch aufgestellte Kanzleien und Boutiquen. Dass die internationalen Kanzleien sich weiterhin den Löwenanteil sichern können, ist auch darin begründet, dass der Stundensatz die mit Abstand am häufigsten verwendete Abrechnungsmethode bleibt – und dieser bei den internationalen Großkanzleien eben besonders hoch ist. Zwar sind Festpreise für zumindest Teilaufgaben wie Due Diligences oder Caps inzwischen auch bei deutschen Inhouseanwälten weit verbreitet, doch kommen sie gegen den Stundensatz nach wie vor nicht an.
Die Stundensätze der Kanzleien wiederum zeigen in der JUVE-Inhouse-Umfrage ein etwas uneinheitliches Bild. Der durchschnittliche Partnersatz bei breiter aufgestellten mittelständischen Kanzleien stieg um gut zwei Prozent auf 306 Euro, die Associatesätze legten um fast drei Prozent auf 243 Euro zu. Hingegen sanken die durchschnittlichen Sätze bei den hoch spezialisierten Kanzleien oder Praxen: Die Partnersätze gaben leicht nach und lagen bei 336 Euro, die Associatesätze sanken minimal auf 262 Euro. Das spricht zum einen für die wachsende Beliebtheit der mittelständisch aufgestellten Kanzleien – sie sind für viele General Counsel der Ausweg, wenn sie Kosten senken wollen. Zum anderen deutet sich auch an, dass die hoch spezialisierten und teureren Einheiten an eine gläserne Decke zu stoßen beginnen. Spitzensätze scheinen immer schwerer durchsetzbar zu sein.
Im Bank- und Finanzrecht legten die Sätze erneut zu: Seit 2012 stiegen die Partnersätze um 13 Prozent. Getoppt wird diese Entwicklung nur durch einen Beratungsbereich: Compliance. Die Stundensätze bei Compliance-Mandaten stiegen seit 2012 um satte 18 Prozent. Der zunehmende Wettbewerb unter den Kanzleien und die wachsende Professionalität der Inhouseabteilungen zeigten zuletzt jedoch Wirkung: 2016 sanken die durchschnittlichen Stundensätze leicht.
Mehr Informationen zu den aktuellen Stundensätzen finden Sie unter www.juve.de/stundensätze.
Mehr zu dem Thema lesen Sie in der aktuellen „Unternehmen Spezial“-Ausgabe des JUVE Rechtsmarkt, die am Donnerstag erschienen ist.