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ANWALTS-STUNDENSäTZE 2017

Die risikonahe Beratung bricht bei den Stundensätzen alle Rekorde: Erstmals liegt der durchschnittliche Partnersatz auch abseits des Bank- und Finanzrechts über 400 Euro. Und erstmals gab es 2017 ein Beratungsfeld, bei dem die Associates die 300-Euro-Marke durchbrachen: Compliance. Wie schon im Vorjahr muss die Transaktionsberatung im engeren Sinne – einst das monetäre Zugpferd – zurückstecken.
Im Schnitt legten sowohl Partner- als auch die Associate-Stundensätze um jeweils knapp 3% zu. Im Gesamtdurchschnitt verlangten die Kanzleien für hoch spezialisierte Partner 2017 einen Studensatz von 347 Euro, für Associates wurden 270 Euro fällig.
Damit ist die Steigerungsrate anders als noch im Vorjahr höher als bei den mittelständisch orientierten Sozietäten (mehr…).“

Alle aufgeführten Stundensätze beruhen erneut auf über 650 Selbstauskünften von Kanzleien. Diese haben in der Regel weniger als 50 Anwälte, darunter sind zahlreiche Boutiquen. Internationale Großkanzleien sind im Verhältnis zu ihrer Marktpräsenz unterrepräsentiert. Alle Angaben in Euro.

 

Die jüngste Entwicklung der Stundensätze zeigt einmal mehr, dass hoch spezialisierte Praxen den Markt bestimmen: Im Gegensatz zum Vorjahr steigerten sie ihre Stundensätze sowohl auf Partner- als auch auf Asssociate-Ebene deutlich stärker als die mittelstandorientierten Berater, die im Markt oft weniger prominent in einzelnen Fachbereichen präsent sind. Allerdings gilt diese Entwicklung  nicht uneingeschränkt.

Es sind vor allem solche Spezialisierungen, die auf die Risikoberatung abzielen und damit den Mandanten potenziell viel Geld und einen Imageverlust ersparen, die den Kanzleien besonders viel Umsatz in die Kassen spülen. Dazu gehören Konfliktlösung und Compliance, die Steigerungsraten von rund 10% verzeichneten, Wirtschaftsstrafrecht und Kartellrecht legten um gut 5% zu.  Auch die Private-Equity-Beratung drehte deutlich ins Plus, schafft es aber – anders als noch vor einigen Jahren – nicht unter die Top 5 der Beratungsbereiche mit den höchsten Stundensätzen.

Transaktionsnahe Beratung (Banking/Finance, Kartellrecht, M&A, Private Equity, Immobilienrecht)

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Trotz Booms sanken die Partnerstundensätze in der Immobilienberatung zuletzt im Durchschnitt leicht. Grund dafür dürfte sein, dass der Wettbewerb bei der Beratung von Immobilientransaktionen in den vergangenen Jahren intensiver geworden ist. Die M&A-Spezialisten verlangten hingegen zwar leicht höhere Stundensätze, doch der Rückstand auf etwa die kartellrechtliche Beratung zeigt, dass M&A immer mehr zu einem Beratungsfeld unter vielen wird und den Nimbus der Cash-Cow verloren hat.  Auch wenn die tatsächlich gezahlten Spitzensätze weiterhin um die 700 Euro und vereinzelt auch darüber liegen: Das schaffen die krisenbetonten Mandate etwa im Compliance-Umfeld inzwischen ebenfalls locker.  Bei den Finanzierungsspezialisten, deren durchschnittlicher Partnerstundensatz recht stabil bleibt, zeigt sich die Bedeutung der Risikoberatung ebenfalls: Die Begleitung des Fondsgeschäfts ist weiterhin das lukrativste Betätigungsfeld, weil die intensive Regulierung  dieses potenziell riskant für die Unternehmen macht.

 

Krisennahe Beratung (Compliance, Konfliktlösung, Restrukturierung, Wirtschaftsstrafrecht)

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Zum ersten Mal bekommen die traditionell hohen Stundensätze im Finanzgeschäft ernsthaft Konkurrenz: Der durchschnittliche Partnersatz bei Compliance und Konfliktlösung hat zuletzt die 400-Euro-Marke durchbrochen. Beide Bereiche legten erneut deutlich zu.  Obwohl vor allem die großen Unternehmen Krisen- und Prozessszenarien längst antizipieren und entsprechend frühzeitig Berater identifizieren, profitieren die Kanzleien weiterhin davon, dass der Bedarf an Spitzenanwälten in beiden Bereichen steigt. Vor allem in der Compliance-Arbeit ist die Auswahl dabei nach wie vor gering, aber auch großvolumige und komplexe Konflikte vermag nicht jede Kanzlei zu stemmen. Von den krisennahen Beratungsfeldern verzeichnet einzig die Restrukturierung kein deutliches Plus, wohl auch weil hoch komplexe Mandate rar waren. Allerdings stabilisieren sich die Sätze wenigstens wieder, nachdem sie im Vorjahr deutlich gesunken waren.

Regelmäßige Beratung (Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht, Gewerblicher Rechtsschutz, Nachfolge/Vermögen, Baurecht, Steuerrecht, Vertrieb/Außenhandel)

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Die deutlichste Steigerung verzeichneten in diesem Jahr mit mehr als 5% die Steuerrechtler. Auch bei ihnen dürften steigende Risiken für die Unternehmen zumindest teilweise für die Entwicklung verantwortlich sein.   Im Gewerblichen Rechtsschutz sanken die Partnersätze leicht. Weiterhin gibt es aber erhebliche Unterschiede zwischen der marken- und wettbewerbsrechtlichen Beratung einerseits und dem Patentrecht andererseits: Während der Durchschnitt der Partnersätze bei ersterer bei 333 Euro liegt, verlangen Patentexperten 377 Euro.  Nicht ganz so extrem, aber doch ähnlich, sieht es bei Vertrieb und Außenhandel aus: Im Außenhandel liegt der Partnersatz mit 343 Euro 25 Euro höher als im Vertriebsrecht und das, obwohl gerade komplexe und risikobehaftete Embargo-Mandate oft bei den hier in der Statistik unterrepräsentierten internationalen Großkanzleien landen. Deren Sätze sind in derartigen Fällen um einiges höher. In beiden Gebiete stiegen die Partnersätze  im Vergleich zum Vorjahr leicht überdurchschnittlich. 

Branchenbezogene Beratung (Energierecht, Informationstechnologie, Medien, Gesundheitswesen, Versicherungsrecht)

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Die Stundensätze in der branchenorientierten Beratung blieben weitgehend stabil, dabei waren etwa die IT-Praxen dank der Neuregelung des Datenschutzes exzellent ausgelastet. Noch können die meisten von ihnen aber offenbar aus dem gestiegenen Bedarf und aus den wachsenden Cyber-Risiken kein Kapital schlagen. In den anderen Beratungsfeldern sind die Veränderungen bei den Stundensätzen ebenfalls moderat. Das zeigt, dass – abgesehen von Einzelfällen – die Rechtsabteilungen die alltägliche Beratung ihrer Unternehmen im Griff haben. 

 

 

Beratung im öffentlichen Raum (Öffentliches Recht, Regulierung/Verkehr, Vergaberecht)

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Die Arbeit im öffentlichen Raum bleibt für die Kanzleien die am wenigsten lukrative, die Veränderungen bei den Stundensätzen sind marginal. Das liegt zum einen daran, dass die öffentliche Hand nicht zu den spendabelsten Zahlern gehört, zum anderen aber auch daran, dass die komplexen, politiknahen Mandate weiterhin oft an solche Großkanzleien gehen, deren Stundensätze in die vorliegende Aufstellung nur vereinzelt eingeflossen sind. Selbst die Neuerungen im Vergaberecht haben jedenfalls bislang keine Spuren in den Anwaltshonoraren hinterlassen.