Insolvenz-Theater in Witten/Herdecke

Am 1. Dezember 1999 fand an der Universität Witten/Herdecke unter dem Titel „1 Jahr Insolvenzordnung (InsO)“ ein Symposium zum Insolvenzrecht erstmalig als Rollenspiel statt. Die Teilnehmer aus Unternehmen, Finanzdienstleistern und der Anwaltschaft hatten das Vergnügen, Insolvenzpraktikern bei der Lösung der Zahlungskrise eines fiktiven Unternehmens zuzusehen, sie verkörperten ihre tatsächlichen Berufe auf der Referentenbühne: Ein Drama über Sanierung oder Liquidation eines fiktiven mittelständischen, auf Solarzellenprodukte spezialisierten Unternehmens.

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Die Rollen: Friedrich Stein, Hauptgesellschafter der gefährdeten „Solarfall KG“ mit 144 Mitarbeitern und etwa DM 22 Mio.Umsatz, sein Unternehmensberater Gunter von Leoprechting, der Vertreter der Hauptgläubiger-Banken Dr. Carsten Nolte, der Lieferantenvertreter Peter Depré (Depré & Coll.), Insolvenzverwalter aus Mannheim, Gerd-Peter Richter (Betriebsrat in der Pfaff-AG), der Hagener Insolvenzrichter Dr. Heinz Vallender und der Insolvenzverwalter Hans P. Runkel (Runkel Schneider Weber) aus Wuppertal.

Das Referenten-Ensemble ergänzten der Soziologe Prof. Dr. Dirk Baecker (Reinhard-Mohn-Stiftungslehrstuhl für Unternehmensführung, Wirtschaftsethik und gesellschaftliche Evolution an der Universität Witten/Herdecke), der Bankbetriebswirt und Kapitalmarkttheoretiker Prof. Dr. Mark Wahrenburg (Universität Frankfurt am Main) und der Zivilrechtler Prof. Dr. Stefan Smid (Universität Halle/ Wittenberg).

Die Darsteller zogen die Zuschauer zeitraffend in den Krisenbann der Solarfall KG, die sich laut Drehbuch seit 1997 aufgrund der Geschäftserweiterung durch ein neues Produkt und hohen Vorfinanzierungen in finanziellen Schwierigkeiten befand. Der Gesellschafter und sein Berater präsentierten daher zunächst dem Bankenvertreter einen Sanierungsplan. Der „unnachgiebige“ Bankenvertreter Nolte ließ sich nicht erweichen und die KG überreichte beim Insolvenzrichter Vallender mit dem Insolvenzantrag auch den Insolvenzplan.

Nach Gesprächen des eingeschalteten Insolvenzverwalters Runkel mit Schuldner, Banken-, Lieferantenvertreter, Betriebsrat und Gericht kam es zum Erörterungs- und Abstimmungstermin über den Insolvenzplan. Die Gläubigermehrheit lehnte schließlich den Insolvenzplan ab, Runkel „zauberte“ aber einen Kaufinteressenten aus dem Hut und die schon totgeglaubte Solarfall-KG konnte durch übertragende Sanierung gerettet werden: Ein Happy-End mit Stirnrunzeln, denn die Diskussionsteilnehmer bewerteten den Insolvenzplan, mit dem die Gerichte bisher nahezu keine Erfahrung besitzen, übereinstimmend als gesetzgeberischen Fehlgriff und in der Praxis unbrauchbar.

Die Universität Witten/Herdecke hat wohl alle Teilnehmer verblüfft mit der unterhaltsamen und professionellen Gestaltung des Szenarios. Die Erfahrung und das Schauspieltalent aller Referenten, die humorvolle, gelassene und perfekt organisierte Tagungsatmosphäre haben den Besuch zum lohnenswerten Erlebnis gemacht. Die private Hochschule hat die neue Insolvenzordnung spritzig und hautnah veranschaulicht. Ähnliche Veranstaltungen sind geplant.

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