+++ Die Finanzierungslücken bei deutschen Solarenergiefirmen bescheren den Insolvenzverwaltern reichlich Arbeit. Erste Wahl scheint dabei hww Wienberg Wilhelm zu sein. Gleich dreimal griffen die Insolvenzrichter bislang auf hww-Partner zurück. Q-Cells, mit rund 1.300 betroffenen Mitarbeitern einer der Branchenriesen, wird von Henning Schorisch betreut. Mit der Bestellung setzte sich das Dessauer Gericht über einen Vorschlag des Bitterfelder Unternehmens hinweg, der auf Hartwig Albers von Brinkmann & Partner gelautet hatte. +++
+++ Bei Odersun, mit rund 260 Arbeitsplätzen deutlich kleiner, ist Namenspartner Rüdiger Wienberg an Bord. Allerdings hat ihn das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg in der Rolle eines Sachwalters bestellt, der die weiter amtierende Geschäftsführung bei ihren Restrukturierungsplänen beaufsichtigt. Das Unternehmen aus Frankfurt/Oder hat eine neuartige Technologie für Dünnschichtmodule entwickelt, aber noch keine nennenswerten Umsätze erwirtschaftet. Eine weitere Photovoltaikfirma konnte Wienberg nach knapp drei Monaten vorläufiger Insolvenz verkaufen: Solon, die Mitte Dezember 2011 einen Antrag gestellt hatte, ging nach einem Verhandlungsmarathon an den Wettbewerber Microsol. Eine Fortführung im eröffneten Verfahren hätte Solon aus Mangel an Liquidität nicht geschafft. +++
+++ Für einen Teil der insolventen Solar Millennium hatte Volker Böhm von Schultze & Braun Anfang Februar eine sinnvolle Lösung gefunden. Doch der Käufer Solarhybrid, der den betreffenden US-Zweig kaufen wollte, rutschte selbst in die Insolvenz – zum Insolvenzverwalter bestimmte das Amtsgericht Arnsberg den Dortmunder Anwalt Dr. Axel Kampmann, Partner bei Husemann Eickhoff Salmen & Partner. Ohne Käufer gab Böhm die US-Gesellschaften von Solar Millennium Anfang April in ein Chapter-11-Verfahren. +++
+++ Wenn schon nicht für die Solarenergie, so ist Brinkmann & Partner doch für einen Anlagenbauer aus der Windenergie tätig: Dr. Jan Markus Plathner verwaltet mehrere Gesellschaften der Siag Schaaf-Gruppe. Bestellt hatte ihn das Amtsgericht Montabaur Mitte März. Das Verfahren bietet einige Besonderheiten: Mit den Nordseewerken in Emden ist erstens ein großer Teil des Unternehmens zwar nicht insolvent, braucht aber eine dauerhafte Finanzierung. Zweitens hatte Siag Schaaf erst im letzten Sommer eine Mittelstandsanleihe begeben, deren Wert jetzt mehr als fraglich ist. +++
+++ Die umkämpfte Restrukturierung des Holzverarbeiters Pfleiderer beschäftigt viele Juristen – und gleich zwei Insolvenzgerichte. Während Düsseldorfer Richter Horst Piepenburg von Piepenburg Gerling für die Pfleiderer-Holding bestellten, setzte das Amtsgericht Nürnberg auf Gläubigerantrag den Verwalter Dr. Harald Schwartz ein. Was die Zuständigkeitsprüfung ergibt, steht zum Redaktionsschluss noch aus. Vielleicht wollten die Franken nach den Erfahrungen mit Arcandor und Quelle nicht ein weiteres Mal zusehen, wie ein nordrhein-westfälisches Gericht über eine heimische Firma bestimmt.