Interview mit Baker

„Ein einheitliches System lässt sich nicht übers Knie brechen“

Seit gut einem Jahr ist Dr. Matthias Scholz Managing-Partner der deutschen und österreichischen Praxen von Baker & McKenzie. Der 57-jährige IT-Rechtler aus dem Frankfurter Büro erklärt, warum die Kanzlei künftig noch integrierter arbeiten will.

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Matthias Scholz
Matthias Scholz

JUVE: Herr Scholz, nach einem Jahr im Amt – was waren die Höhe- und Tiefpunkte?
Matthias Scholz:
Ein Höhepunkt war ganz klar der Start des Legal Innovation Hubs ReInvent. Wir sind Hauptsponsor, daneben beteiligen sich auch andere Unternehmen wie Bosch und Daimler. Vor Ort arbeiten drei Legal-Tech-Start-ups, die zu dem innovativen Ökosystem beitragen. In einer offenen Atmosphäre tauscht man sich zur Entwicklung von neuen digitalen Tools für die Rechtsberatung aus. Das erste Produkt im Bereich Prozessrisikoanalyse, das unsere Litigation-Praxis mit einem Team von ReInvent entwickelt hat, steht kurz vor dem Start. 

Und die Tiefpunkte? Es gab ja eine gewisse Partnerfluktuation…
Ja, wir haben drei Partner verloren. Niemand möchte etwa einen Partner wie Burkhard Göpfert aus dem Arbeitsrechtsteam verlieren. Das Team hat aber durch die Rückkehr von Christian Reichel in die Mandatsarbeit keine finanziellen Verluste zu verbuchen. Auch der große Erfolg mit dem Ausbau unseres Steuerteams durch den Zugang von Thomas Schänzle war sehr positiv. Diesen Bereich wollen wir noch weiter verstärken. Für unsere M&A-Praxis in München bedeutete zudem der Zugang von Berthold Hummel ein starkes Signal.

Baker hat angekündigt, die europäischen Praxen tiefer zu integrieren. Warum?
Unser globaler Chairman, Paul Rawlinson, hat die Strategie ausgegeben: Wir wollen als „New Lawyers“ mandantenzentriert arbeiten. Hierbei räumen wir dem Thema Innovation eine hohe Bedeutung ein und müssen noch integrierter zusammenarbeiten – innerhalb der nationalen Partnerschaften sowie über die Grenzen hinweg. Daher haben wir uns auch das langfristige Ziel gesetzt, uns einheitlich in den Regionen USA, Asien und EMEA aufzustellen.

Warum langfristig?
Baker unterscheidet sich von anderen Kanzleien dadurch, dass wir seit Jahrzehnten Büros in etlichen europäischen Ländern haben. Wir sind organisch in hoch regulierten Märkten gewachsen und sind in den jeweiligen lokalen Rechtssystemen tief verwurzelt – standesrechtlich und auch steuerrechtlich. Derzeit suchen wir nach einer passenden Form, die den rechtlichen Anforderungen gerecht wird. Wir sind zuversichtlich, dass wir nach genauer Prüfung auch in Deutschland die richtige Lösung finden werden – vielleicht etwas langsamer als in anderen Jurisdiktionen, aber dafür auf allen Ebenen stichhaltig.

Lässt sich das Vergütungssystem integrieren?
In Deutschland haben wir unser System vor sieben Jahren umgestellt. Davor war es stark nach Faktoren organisiert, die den individuellen Erfolg in den Vordergrund rückten. Seit der Erneuerung fließt die überwältigende Mehrheit des Umsatzes in einen Pool und betont den gemeinsamen Erfolg aller. Bei der internen Verteilung kommt nun dem Senioritätsprinzip – ähnlich eines Locksteps – und der Umsetzung vereinbarter Ziele eine höhere Bedeutung zu. Das ist ein gewaltiger Unterschied zu früher. Aber dasselbe System auf die ganze Region auszuweiten, kann man nicht übers Knie brechen. Wir sind aber so weit, dass der leistungsbezogene Teil der Vergütung in ganz Europa auf gleiche Art bewertet wird.

Das Gespräch führte Aled Griffiths.

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