JUVE: Herbert Smith verfügt international über eine starke Disputes-Praxis. Im deutschen Markt wird das aber noch nicht von allen so wahrgenommen. Wie sehen Sie das?
Justin D’Agostino: Wir haben hier in den vergangenen Jahren viel erreicht. Seit 2014 Mathias Wittinghofer als erster deutscher Litigation-Partner an Bord kam, ist die Praxis auf 22 Anwälte gewachsen, darunter fünf Partner. Mit Dirk Seiler, Thomas Weimann, Patricia Nacimiento und dem Team an drei Standorten sind wir in der Lage, eine große Bandbreite an Bereichen glaubwürdig abzudecken: Gerichts- und Schiedsverfahren, Investitionsschiedsgerichtsbarkeit, Corporate Crime und interne Untersuchungen, Menschenrechte, Sportschiedsgerichtsbarkeit und Infrastrukturprojekte.
Wachstum um jeden Preis?
Im Gegenteil! Wir nehmen nicht jedes Mandat, und wir nehmen erst recht nicht jeden, der bei uns arbeiten möchte. Ohne unseren hohen Qualitätsanspruch könnten wir noch viel schneller wachsen – aber das wollen wir eben nicht.
Was wollen Sie dann? Wie sehen Ihre Pläne für den deutschen Markt aus?
Wir haben drei Hauptziele: die Beziehungen zu deutschen Corporate-Mandanten vertiefen, internationale Mandanten von Herbert Smith Freehills auch in Deutschland beraten und unser deutsches Disputes-Team als integralen Bestandteil unserer internationalen Praxis positionieren.
Wie weit sind Sie damit?
Weiter, als wir es uns noch vor wenigen Jahren erhofft haben. So gibt es enge Verbindungen zwischen den Büros in Deutschland und Madrid. Auch mit London und Paris arbeiten die deutschen Partner intensiv zusammen – wohlgemerkt in konkreten Mandaten, nicht nur beim Business Development. Gerade führt ein Team aus Frankfurt und London ein Schiedsverfahren in London für ein großes US-Unternehmen. In einem anderen Fall arbeitet das deutsche Team eng mit dem Büro in Indonesien zusammen.
Was bieten Sie deutschen Corporate-Mandanten, was andere Kanzleien nicht haben?
Vor allem in Südostasien, das für viele deutsche Konzerne ein enorm wichtiger Markt ist, sind wir stärker vertreten als die meisten unserer Wettbewerber. Wir haben neun Büros in Asien und die Fusion mit Freehills hat unsere asiatisch-pazifische Praxis weiter gestärkt. Eine solche globale Reichweite macht uns einzigartig.
Welche Rolle spielt die Konfliktlösungspraxis dabei insgesamt?
Sie ist ein ungemein wichtiger Bestandteil der DNA von Herbert Smith Freehills. Unsere Schiedspraxis gehört zu den fünf größten der Welt.
Wie sieht es in Deutschland aus?
Auf dem Kontinent sind wir später gestartet als viele Wettbewerber. In Deutschland gab es uns vor sechs Jahren noch nicht. Unser Büro in Madrid, in dem heute mehr Disputes-Anwälte tätig sind als in Deutschland, haben wir vor zwölf Jahren eröffnet. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Umsatzbeitrag der EMEA-Disputes-Praxis signifikant erhöht und in Deutschland erbringt die Praxis ebenfalls einen bedeutenden Teil des Gesamtgeschäfts.
Werden an dieser Zukunft auch weitere Quereinsteiger mitarbeiten?
Wie sagen niemals nie, aber wir sind in der komfortablen Situation, dass wir auch in der zweiten Reihe extrem gute Leute haben. Zuwachs auf Partnerebene muss also nicht von außen kommen. Wir wollen das, was wir haben, noch besser auf die Straße bringen. Wir sind im Angriffsmodus, und wir werden jetzt liefern.
Das Gespräch führte Marc Chmielewski.