JUVE: Ihre Position ist im Herbst 2018 geschaffen worden – für viele überraschend, denn in den anderen kontinentaleuropäischen Ländern gibt es sie nicht. Warum braucht Deutschland diese Sonderstellung?
Stefan Schuppert: Die Position wurde geschaffen, um unseren „One Germany“-Ansatz konsequent fortzuführen. Deutschland steht inzwischen für die Hälfte des Kanzleiumsatzes in Kontinentaleuropa und mehr als zehn Prozent des weltweiten Umsatzes. Wir haben mehr als 420 Anwälte, davon 98 Partner. In den USA haben wir mehrere regionale Büros mit einem Partner an der Spitze, unsere beiden Büros in Großbritannien leitet eine Partnerin. In Deutschland gibt es vier Standorte, also macht es Sinn, dass sie als ein einziges Team agieren.
Was haben Sie bislang erreicht? Wir haben im November auf der deutschen Partner- und Counsel-Konferenz eine starke und enthu siastische Unterstützung erhalten – sowohl für unsere strategischen Ziele, als auch für deren Umsetzung in Deutschland, vor allem auch in den Industriesektoren.
Wie übersetzen Sie diese Überlegungen in die Praxis? Ein konkretes Beispiel für unseren Fokus auf Digitalisierung und Legal Tech ist etwa unser Legal Hackathon im Oktober. Unsere Mandanten nehmen wahr, dass wir die für sie relevanten Zukunftsthemen mit nachhaltigem Engagement der deutschen Partner angehen.
Was haben Sie noch vor? In Deutschland haben wir zwei klare strategische Kernziele: Wir wollen uns bis 2020 dauerhaft unter den fünf führenden Sozietäten in Deutschland positionieren. Und wir wollen eine der führenden Kanzleien bei der Mandantenzufriedenheit sein. Im Mittelpunkt stehen dabei: nachhaltiges Wachstum, Effizienzsteigerungen, die Förderung und Positionierung jüngerer Partner und die fortlaufende Ausweitung der internen Vernetzung auf lokaler und internationaler Ebene.
Wo sehen Sie speziell bei der internationalen Vernetzung für Deutschland noch Nachholbedarf? Wo klappt es schon gut? Ein Alleinstellungsmerkmal ist natürlich die sehr gute Zusammenarbeit mit den Kollegen in den USA. Künftig wollen wir uns auch auf kontinentaleuropäischer Ebene noch stärker vernetzen. Dafür steht das Projekt „All in One CE“, das uns dabei unterstützt, im gesamten europäischen Markt noch präsenter zu werden. Auch ist eine noch engere Zusammenarbeit mit Asien, und dort vor allem mit China geplant. Sehr gut und wichtig ist die Rolle der deutschen Partner in unseren internationalen Industriesektoren: Sie sind unsere Synapsen für neue Impulse aus den Schlüsselindustrien.
Unter den neu ernannten Partnern ist keine Frau. Wie glaubhaft ist da die Selbstverpflichtung der Kanzlei, 30 Prozent der Führungspositionen bis 2020 mit Frauen zu besetzen? Entscheidend ist doch, ob wir uns in die richtige Richtung bewegen. Seit 2012 hat sich der Anteil der Frauen unter den Partnern weltweit von 21 auf 25 Prozent verbessert. Dieses Jahr sind global gesehen 38 Prozent der neuen Counsel Frauen. In Deutschland haben wir neun Counsel ernannt, davon vier Frauen. Und im vergangenen Jahr waren von den acht neuen Partnern drei Frauen. Sicher, das kann nicht jedes Jahr gelingen. Um die Richtung richtig einzuschätzen, muss man aber betrachten, wen wir in der Pipeline haben und wer als Quereinsteiger zu uns kommt.
Das Gespräch führte Geertje de Sousa.