Juristen gefragt

Seit Jahren wird gejammert, dass die Bedeutung von Juristen im Management deutscher Unternehmen abnimmt. Als General Counsel im Vorstand zu sitzen ist gar eine Rarität.Nun etabliert Siemens die Rechtsfunktion im Zentralvorstand und auch im Management der Geschäftsbereiche, BASF holt ihren bisherigen Chefjuristen in die operative Vorstandsverantwortung. Man kann es sich einfach machen und die Aufwertung der Siemens-Syndizi für Notwehr halten. Oder sich darauf berufen, dass BASF ja vielleicht schon immer durchlässiger war – immerhin übernimmt Dr. Hans-Ulrich Engel nicht zum ersten Mal Managementaufgaben.

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Doch das wäre zu kurz gegriffen. Die Bereitschaft von Unternehmern, den Inhouse-Juristen mehr Einfluss einzuräumen, dürfte seit Jahren nicht so groß gewesen sein wie jetzt. Und das nicht zuletzt dank der Korruptionsaffäre bei Siemens und der Demonstration des Konzerns, dass es möglich ist, alte Strukturen aufzubrechen. In der Rechtsabteilung ist die Rede von „einer echten Aufbruchstimmung“ und „Stolz“. Da mag sich auch vielleicht der ein oder andere Sorgen darüber machen, ob das Team den Anforderungen gewachsen ist – die Bereitschaft, die Chance mit beiden Händen zu ergreifen, ist da. Andernfalls wäre es Rechtsvorstand Peter Solmssen wohl auch deutlich schwerer gefallen, Dr. Andreas Hoffmann von seinem gut dotierten Posten bei General Electric wegzulocken.

Zwar hat sich in den letzten Jahren das Verhältnis zwischen Management und Inhouse-Juristen deutlich verbessert, doch ob das Beispiel Siemens in Deutschland Schule macht, wird auch von den Inhouse-Juristen selbst abhängen. Die Gelegenheit ist wegen der Compliance-Debatte günstig, rechtliches Risikomanagement in aller Munde. Dadurch zeichnet sich ein Weg ab, der zurück in die Unternehmensverantwortung führen kann – er muss nur noch beschritten werden.

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