Ansgar Rempp: Wir wollen weiter ausbauen, haben uns allerdings weder ein Größenziel noch -limit gesetzt. Die Qualität der Beratung und Serviceleistung stehen für uns immer im Vordergrund. Momentan interessieren sich viele hochkarätige Quereinsteiger für uns. Mit dem neuen Düsseldorfer Standort haben wir jetzt auch Zugang zu einem Markt, in dem auch erstklassige Patent- und Kartellrechtler unterwegs sind. Kurzfristig ist ein Wachsen auf 130 Anwälte durchaus möglich.
Soll der Transaktionsfokus beim weiteren Ausbau erhalten bleiben, oder strebt Jones Day auf Dauer eine breitere Aufstellung an?
Die deutsche Praxis ist mit dem Transaktionsschwerpunkt bisher sehr erfolgreich, und das soll auch so bleiben. Allerdings wäre es falsch, Jones Day nur als Deal-Kanzlei einzustufen – der Fokus ist deutlich breiter. Auch in Deutschland haben wir über die letzten Jahre beispielsweise eine schlagkräftige IP-Praxis etabliert, die letzte echte Lücke ist nun mit den Zugängen im Bank- und Finanzrecht geschlossen. Daneben bleibt als kleinere Baustelle noch der Energiesektor.
Bedeutet die Einführung eines standortübergreifenden Managements für Deutschland auch einen Wandel in der Kanzleikultur? Bisher ist Jones Day eher als individualistisch bekannt.
Im Gegenteil, unsere Kanzleikultur steht gerade für Teamarbeit über die Standorte und Praxisbereiche hinweg. Mit der zusätzlichen Hierarchieebene des Partner-in-Charge Deutschland haben wir nur nach außen sichtbar umgesetzt, was intern längst der Fall war. Die Standorte in Deutschland und international haben immer sehr eng zusammengearbeitet und gemeinsam an einem Strang gezogen. Dass dabei jeder Kollege genügend Freiraum erhält, ist und bleibt wichtig. Ego-Trips und „Eat what you kill“-Verhalten werden bei Jones Day aber nicht gefördert, im Gegenteil.
Seit Kurzem werden zwei der drei deutschen Standorte von Partnerinnen geleitet – ein rekordverdächtiger Frauenanteil. Möchte die Kanzlei damit ein Zeichen setzen?
Nein, dahinter steckt keine Quote oder Absicht. Friederike Göbbels und Sandra Kamper haben sich schlicht bewährt und schon in der Vergangenheit Führungsstärke bewiesen. Jones Day fördert alle qualifizierten Kollegen gleichermaßen und steht für Chancengleichheit.
Das Gespräch führte Norbert Parzinger.