JUVE: Noerr hat sich mit inzwischen 135 Millionen Euro auf Platz acht der umsatzstärksten deutschen Kanzleien vorgekämpft. Was ist Ihr nächstes Ziel?
Alexander Ritvay: Die Entwicklung ist erfreulich, aber ich halte nichts von einer Fixierung auf Umsatzzahlen. Wir streben nach qualitativem Wachstum. Uns geht es nicht in erster Linie darum, den Umsatz zu steigern. Dass wir trotz der Finanzkrise kontinuierlich teils mit zweistelligen Raten gewachsen sind, ist für uns nur eine Bestätigung unseres Kurses. Wir können uns gut auf konjunkturelle Änderungen einstellen, denn unser Beratungsspektrum ist breiter als das vieler Wettbewerber. Daran halten wir fest.
Obwohl Noerr das Augenmerk auf qualitatives Wachstum legen will, sank der Umsatz pro Berufsträger auf nun 475.000 Euro. Müssten Sie hier nicht gegensteuern?
Das ist für uns kein Thema. Der UBT beschreibt die Produktivität, nicht die Qualität. Wir investieren nachhaltig in Personal und haben 2012 um fast zehn Prozent aufgestockt, darunter viele Berufsanfänger. Der UBT ist dabei im Grunde stabil geblieben. Außerdem ernennen wir relativ viele Partner, in den letzten Jahren waren es jeweils vier bis fünf. Bei uns gibt es keine Restriktionen, alle Talente haben eine echte Chance.
Wo sehen Sie Schwächen?
Neben Hengeler Mueller und Gleiss Lutz sehen wir uns als eine der drei unabhängigen deutschen Kanzleien an der Marktspitze. Hier wollen wir noch näher heranrücken. Dazu werden wir vor allem unsere Wachstumsbereiche stärker betonen. Dazu gehören die Gebiete Corporate/M&A, Banking & Finance, Compliance & Investigations, Litigation, Kartellrecht und die umfassende Beratung regulierter Industrien.
Sie haben angekündigt, in den nächsten Monaten in Brüssel zu eröffnen. Schon einmal war Noerr dort präsent, hat sich aber zurückgezogen. Warum wollen Sie jetzt einen neuen Versuch starten?
Bei der Beratung regulierter Industrien sehen wir einen steigenden Bedarf. Deshalb ist es sinnvoll, in Europas Regulierungszentrum präsent zu sein. Das ist für unsere Mandanten wichtig, aber auch für uns als Kanzlei, vor allem für die stark wachsende kartell- und beihilferechtliche Praxis. In Brüssel werden wir unserer Kompetenz auch mit Quereinsteigern ausbauen.
Seit Mai kooperiert Noerr mit den Patentanwälten von Bosch Jehle. Was versprechen Sie sich davon?
Die rechtlichen Rahmenbedingungen verändern sich rasant, etwa durch das EU-Patent. Noerr ist als Rechtsberaterin in der Technologiebranche gut vertreten, Bosch Jehle auf der patentanwaltlichen Seite. Damit können wir beide unseren Mandanten eine integrierte rechtliche und technische Beratung anbieten.
Das Gespräch führte Volker Votsmeier.