Michael Oppenhoff : Eigentlich drei Dinge. Zunächst innerhalb von drei Monaten – mehr Zeit hatten wir nicht – ein Büro so einzurichten, dass wir vom ersten Tage an voll funktionsfähig waren. Dann die Lücken, die sich ergeben haben, zu schließen. Das ist uns mit den Zugängen von Herrn Wagner und Herrn Dr. Kleine im Kartellrecht gelungen. Schließlich das logistische Problem, mittelfristig ein neues Domizil in Köln zu finden.
Sind Ihnen die Mandanten von Linklaters gefolgt oder konnten Sie eher durch Ihre neue Unabhängigkeit punkten?
Beides. Wir sind letztlich 100 Jahre in Köln und haben etablierte Beziehungen entwickelt. Diese Mandanten haben uns zu einem erheblichen Teil die Treue gehalten – und wir konnten darüber hinaus eine ganze Reihe hinzu gewinnen. Auch, weil es nach meinem Eindruck einen wachsenden Beratungsbedarf durch unabhängige deutsche Sozietäten gibt. Speziell nachdem sich der deutsche Rechtsmarkt stark internationalisiert hat. Dies sage ich bewusst mit Blick in die Vergangenheit: Wir waren vor zehn Jahren eine der ersten Kanzleien, die eine internationale Fusion gewagt haben. In der Zwischenzeit sind dem viele gefolgt. Möglicherweise ein paar mehr als der Markt vertragen konnte.
Vermissen Sie die anglo-amerikanische Kanzleikultur?
Nein, eigentlich nicht. Zweifelsohne haben wir in der Alliance und später mit Linklaters viel gelernt. Im Übrigen hat auch Linklaters durchaus von den Deutschen manches gelernt, es ist nicht ganz einseitig. Das kommt uns heute zugute. Wir können so arbeiten, wie wir es gerne möchten. Bei Oppenhoff sind Partner stärker in die eigentliche Sacharbeit eingebunden, als das vielleicht in einem anglo-amerikanischen Büro der Fall wäre. Auch sind wir breiter aufgestellt und können deswegen wichtige und gerne nachgefragte Bereiche abdecken, die von den Transaktionskanzleien nicht mehr angeboten oder nur noch als Supportbereiche betrieben werden.
Konnte Oppenhoff in der Zwischenzeit Beziehungen zu ausländischen Kanzleien aufbauen?
Bereits in der Vorbereitungsphase haben wir erste Kontakte geknüpft. Natürlich nicht zu den Magic-Circle-Kanzleien dieser Welt, aber zu führenden unabhängigen Büros in anderen Ländern und Kontinenten. Tatsache ist, dass Oppenhoff im deutschen Rechtsmarkt über Jahrzehnte einen Ruf als Kanzlei für die Beratung von ausländischen Investoren hatte. Deswegen gab es ohnehin immer sehr gute Beziehungen in andere Länder.
Das Gespräch führte Marcus Jung.