JUVE: Ein Jahr nach dem Start in Deutschland – welche Ziele konnten Sie umsetzen?
Dr. Rüdiger von Hülst: Wir hatten vor einem Jahr recht konkrete Vorstellungen davon, wo wir hin wollen. Der erste Anspruch war am Standort Berlin – von dem sich andere Kanzleien zurück ziehen – gezielt auf Wachstum zu setzen und sich gegen den Trend als Fullservice Kanzlei zu etablieren. Im Hinblick auf Rekrutierungsmöglichkeiten sind unsere Erwartungen deutlich übertroffen worden. Wir wollten in 2007 auf 25 Anwälte wachsen – nun sind wir schon über 30. Vor dem Hintergrund hat sich auch unser Umsatz viel besser entwickelt, als zunächst erwartet. In begehrten Rechtsgebieten wie IP haben wir fast eine „Warteliste“ mit ausnahmslos sehr guten Bewerbern – im Corporate ist es dagegen zugegeben schwieriger, geeignete Kandidaten zu finden. Natürlich haben wir auch von dem enormen Real-Estate-Boom profitiert. Aber auch im IP und Corporate konnten wir starkt expandieren. Wir haben hier gute, junge Leute, die Biss haben – ein Vorteil, den wir einsetzen, um uns zu positionieren.
JUVE: Wo liegen daneben heute die größten „Baustellen“?
Dr. Rüdiger von Hülst: Wir wollten von Anfang an unseren eigenen Finance-Bereich aufbauen. Das ist – obwohl wir viele Gespräche mit potenziellen Quereinsteigern geführt haben – bislang noch nicht gelungen. Zwar hatten wir uns ursprünglich vorgenommen, uns erst Ende 2008 mit dem Ausbau des Tax-Bereichs zu beschäftigen – ein Thema, das aber jetzt schon akut ist und deshalb auch auf unserer Agenda weiter nach oben gerückt ist. Dem Wachstum auf Associate-Ebene muss nun auch eine Erweiterung der Partnerebene folgen.
JUVE: K&L Gates hat nicht nur in Deutschland expandiert. In den USA fusionierte sie Anfang 2007 mit Preston Gates Ellis und kürzlich mit Hughes & Luce/Texas. Auch ein Pariser Büro ist gerade hinzugekommen. Wie kann die deutsche Praxis von diesem Wachstum profitieren?
Dr. Rüdiger von Hülst: Künftig mit einer glaubhaften, starken Basis in den USA anzutreten, war ein wesentlicher Beweggrund für uns, zu K&L Gates wechseln. Wir sind in den USA eine der größten Kanzleien und haben darüber Zugang zu vielen Blue Chip-Unternehmen. In Europa sind wir mit rund 200 Anwälten in den wichtigsten Wirtschaftszentren vertreten. So arbeiten wir bereits zwei Tage, nachdem die französischen Kollegen zu uns gestoßen sind, gemeinsam für einen österreichischen Mandanten – das Geschäft europäisiert sich sichtlich. Genau darauf beruht unser Europa-Konzept – wir spiegeln die Ansprüche unserer Mandanten wider.
Das Gespräch führte Ulrike Barth.