JUVE-Umfrage zur Mandatierung

Recht und Steuern auf getrennten Wegen

Verhandlungsposition stärken, Kosten sparen, effizienter arbeiten: Es gibt gute Gründe für Unternehmensjuristen und Steuerexperten, die Mandatierung von Kanzleien über Abteilungsgrenzen hinweg zu koordinieren. Doch einen strategischen Masterplan dafür hat kaum ein Verantwortlicher in der Schublade. Das ist ein Ergebnis der JUVE-Umfrage unter rund 270 Steuer- und Rechtschefs. Trotz der vermeintlichen Vorteile bei der gemeinsamen Mandatierung haben auch die MDPs weiter einen schweren Stand.

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Etwa 40 Prozent der von JUVE im Januar befragten Rechts- und Steuerchefs stimmen sich untereinander bei der Mandatierung ab. Eine breit angelegte Strategie haben dabei jedoch die wenigsten im Sinn. „Eine interessante Idee, auch langfristig eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, werde ich mal drüber nachdenken“, sagt etwa der Chefjurist eines mittelständischen Unternehmens. Vielmehr bedeutet Abstimmung mit anderen Fachabteilungen vor allem eine Absprache im Einzelfall, etwa bei Transaktionen. Der Hauptgrund für den Verzicht auf ein gemeinsames strategisches Vorgehen ist vor allem, dass kaum eine Beratereinheit aus Sicht der Inhousespezialisten in der Lage ist, Rechts- und Steuerberatung mit gleicher Qualität zu bedienen.

 

Effizienz im Fokus

Das ist das Kernergebis einer Onlinebefragung von 269 ausgewählten Leitern von Rechts- und Steuerabteilungen, die eine Rücklaufquote von 42 Prozent verzeichnete. Zwar war die Auswahl der Befragten nicht repräsentativ, doch zeigt das Resultat, verbunden mit ergänzenden Gesprächen, klar: Kostenersparnisse und mehr Effizienz sind reizvolle Aussichten. Für sich genommen sind sie aber kein Grund, bei der Qualität Kompromisse einzugehen.

 

Keine Experimente

 

Das Umfrageergebnis gibt zugleich einen deutlichen Hinweis darauf, wo die Grenzen des strategischen Ansatzes von MDP-Kanzleien und WP-Gesellschaften liegen. Der Vorteil des One-Stop-Shops verliert sich, sobald in den Unternehmen ausreichend eigene Kompetenzen und Kapazitäten vorhanden sind. Schon im vergangenen Jahr ergab die JUVE-Inhouse-Umfrage, dass MDPs im Bewusstsein von Inhouseanwälten kaum eine Rolle spielen. Und auch die Steuerspezialisten der Unternehmen interessiert letztlich nur die steuerliche Kompetenz. Der multidisziplinäre Ansatz birgt für sie kaum Mehrwert. Solange sie es personell schaffen, mehrere Berater parallel zu führen und zu koordinieren, bevorzugen sie ganz klar eine separate Mandatierung.

Eine besser Ausganglage finden die MDPs und WPs derzeit bei Großaufträgen des Bundes. Die öffentliche Hand vergibt im Moment bevorzugt die Steuerung von Infrastrukturprojekten an integrierte Einheiten. Weil der Bund aus Kosten- und Effizienzgründen mehr Beratung und Ausführung aus einer Hand wünscht, so hoffen die MDPs, wird man mit einer engen Verzahnung zwischen Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung zukünftig besser dastehen als die Konkurrenz.

Mehr Details zur Frage, ob und wann verschiedene Abteilungen eines Unternehmens gemeinsam mandatieren, lesen Sie im aktuellen JUVE-Rechtsmarkt 03/2018.

 

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