Wie jedes Jahr befragte ,American Lawyer‘ die Fortune-500-Unternehmen nach ihren wichtigsten externen Rechtsberatern. Überraschungen im Vergleich zum Vorjahr blieben aus. Dass Davis Polk & Wardwell mit einer einzigen Nennung vor Skadden neuer Spitzenreiter der Corporate-Beratung ist, dürfte hier eher statistischen Wert haben.
Auffällig ist, dass aus den Top 10 der Litigation-Kanzleien sämtliche Washingtoner Sozietäten verschwunden sind. Noch vor fünf Jahren kamen vier der führenden zehn Litigation-Kanzleien aus der US-Hauptstadt, heute keine mehr. US-Insider führen dies auf die Bush-Administration zurück: Da viele Aufsichtsbehörden zu zahnlosen Tigern mutiert seien, bestünde weniger Bedarf, mit den Washingtoner Kanzleien zu arbeiten.
Kirkland jedoch hat nicht ein einziges Mal seit 2002 den Spitzenplatz räumen müssen. Die entscheidenden Argumente für die Kanzlei, so Mandanten, sind die Ergebnisse und ihre Effizienz. Geht es ans Eingemachte, wird auch der Preis nebensächlich. Dann zählen die Marke „Kirkland“ und die Manpower, die die Kanzlei in einen Fall stecken kann.
Ähnliches gilt für Skadden: „Wenn eine Transaktion wirklich kompliziert wird, lohnt es sich, die 800 bis 900 Dollar für einen Senior Partner von Skadden zu zahlen“, so ein General Counsel. Nach eigenen Angaben berät die Kanzlei fast die Hälfte der Fortune 500 – und scheint damit inzwischen in einer Position, wo sie sich fast blind auf ihre Reputation verlassen kann. Auch in Europa sitzen Skadden-Anwälte bei den großen Transaktionen inzwischen fast regelmäßig mit am Tisch. Entsprechend dominiert die Kanzlei seit 22 Jahren die US-Umsatztabellen und wird auch in Deutschland immer präsenter (siehe S. 68 und 36 ).
Doch bleibt die Frage, wie Skadden es in diese Position geschafft hat. Eine Reihe von Argumenten finden sich in der Struktur der Kanzlei. Zwar pflegt sie kein reines Lockstepsystem, doch hält sie konsequent an einer einstufigen Partnerschaft mit einer vergleichsweise geringen Vergütungsspanne zwischen unterster und oberster Stufe fest (5:1). Zudem hat Skadden nie Quereinsteiger-Gruppen aufgenommen, die mehr als sechs Partner umfassten.
All dies hat im Ergebnis zu einer sehr homogenen Partnerriege und, so AmLaw, zu einer Kultur geführt, in der partnerschaftliches Arbeiten „in der DNA der Kanzlei“ liegt. Der frühe Aufbau eines Kanzleimanagements, einschließlich Vergütungs-Komitee, hat ebenfalls geholfen, Friktionen entgegenzuwirken.