Unter dem Druck der Kostensenkung werden Chefjuristen innovativer. Sie bearbeiten in ihrer Abteilung nicht mehr nur juristische Themen, sondern übernehmen inzwischen auch Koordinationsaufgaben bei komplexen Projekten, die früher von externen Beratern erledigt wurden. So war zuletzt zu beobachten, dass vermehrt Unternehmen bei rein deutschen Deals nicht eine große Kanzlei, sondern mehrere kleine Kanzleien einsetzten. Dabei wiesen sie jeder Kanzlei ein klar umgrenztes Aufgabengebiet zu. Für die Rechtsabteilung ist der Koordinierungsaufwand bei dieser Lösung zwar höher, das Preis-Leistungs-Verhältnis jedoch günstiger. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis Unternehmen dieses Mandatierungsmodell auf die internationale Ebene übertragen und dann auch grenzüberschreitende Deals mit ihren schon heute gut ausgebauten internationalen Kanzleinetzwerken stemmen.
Im Zeichen der Kosteneffizienz ordnen zahlreiche Unternehmen – zuletzt etwa ThyssenKrupp, E.on und die Europäische Zentralbank – auch ihre Beraterlisten neu. Bislang gehen hierbei jedoch nur wenige innovativ vor: Dass beim Aufstellen des neuen Panels die Einkaufsabteilung einbezogen oder IT-gestützte Kostenanalysen eingesetzt werden, ist noch selten. Generell sind die meisten deutschen Chefjuristen gegenüber innovativen Managementideen skeptisch. Um die internen und externen Kosten im Griff zu behalten, bedarf es jedoch mehr als eines reinen Insourcings. Denn dieses stößt schnell an seine natürlichen Grenzen: Laut azur-Bewerberumfrage 2014 haben nicht einmal 14 Prozent aller Berufseinsteiger Interesse an einem Inhouse-Job. Woher können die Rechtsabteilungen also die zusätzlichen Inhouse-Kapazitäten nehmen? Mögliche Lösungen sind der Einsatz von Projektjuristen oder das Legal Process Outsourcing. Hier können die deutschen Syndizi noch viel von ihren Kollegen aus den USA lernen. (Christin Nünemann, Astrid Jatzkowski)
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