Sullivan & Cromwell macht in Deutschland meist durch große öffentliche Übernahmen Schlagzeilen. Bayer und Monsanto, Linde und Praxair – Sullivan mischt jeweils an prominenter Stelle mit. Nun eröffnet die US-Kanzlei auch in Brüssel und gewann dafür unter anderem einen renommierten Kartellrechtler. Über den Schritt sprach JUVE mit Frank Aquila, M&A-Partner im New Yorker Büro von Sullivan & Cromwell und Mitglied des 12-köpfigen globalen Management-Committees.
JUVE: Sie haben lange kein Büro mehr eröffnet. Wieso nun Brüssel?
Frank Aquila: Richtig, unsere letzte Büroeröffnung war im Jahr 2001 in Sydney. Mit Blick auf Brüssel: Wir haben erkannt, dass wir unsere EU-kartellrechtlichen Kapazitäten erweitern müssen. Die Kanzlei hat bereits ein starkes Team in London, aber wir brauchten mehr Gewicht.
Zum Start haben Sie den deutschen Kartellrechtspartner Dr. Michael Rosenthal von der US-Konkurrentin Wilson Sonsini Goodrich & Rosati geholt – eine große Investition. Warum war Ihnen Verstärkung so wichtig?
In jüngerer Zeit sind wir in eine Reihe von bekannten Transaktionen eingebunden gewesen. Ich war zum Beispiel Teil eines Teams, das für Diebold tätig war. Andere Partner unterstützten ZF, Bayer und Praxair bei größeren Akquisitionen. Uns wurde klar, dass wir uns mehr und mehr auf die kartellrechtlichen Anforderungen fokussieren müssen, die solche großen Transaktionen mit sich bringen. In der Geschichte unserer Kanzlei hatten wir nur sehr selten externe Zugänge. Doch mit der Entscheidung zu wachsen begannen wir, uns nach Kartellrechtlern umzusehen.
Wettbewerber wie Cleary Gottlieb und Slaughter and May haben zuletzt das Gewicht ihrer Kartellrechtspraxen in London und Brüssel neu justiert. Hat der Brexit auch Ihre Entscheidung für Brüssel beeinflusst?
Wir hatten uns vorab nicht auf London oder Brüssel festgelegt. Für uns stand im Vordergrund, die beste Person für uns zu finden – und wenn dies bedeutete, ein neues Büro zu eröffnen, waren wir dazu bereit. So ist es dann auch gekommen. Brüssel ist das Epizentrum des EU-Kartellrechts. Wir gingen auf Michael zu, weil einige Kollegen ihn bereits beruflich oder privat kannten. Dass Michael als deutscher Anwalt qualifiziert ist, passt, weil viel Arbeit aus Deutschland kommt. Unser Londoner Team leitet Juan Rodriquez, der als englischer Anwalt zugelassen ist. Ich würde sagen, wir haben nun ein gut austariertes Angebot in London und in Brüssel.
Wie ist die Sicht aus New York auf die europäische Kanzleienlandschaft nach dem Brexit?
Wir werden sehen, wie der Brexit die rechtlichen Entwicklungen und die Kanzleienlandschaft beeinflusst. Unser Schritt hatte mit dem Brexit nichts zu tun, die Überlegungen waren kartellrechtlich bedingt. Auch in New York konnten wir mit Renata Hesse eine weitere unserer seltenen Quereinsteigerinnen gewinnen, als sie nach dem Regierungswechsel im Januar ihre Position als Leiterin der Kartellrechtsabteilung im Department of Justice verließ.
Das Gespräch führte Antje Neumann.