Mit Blick auf den bevorstehenden Brexit und der damit vermuteten Schwächung des Standortes London rückt Deutschland immer stärker in den Fokus der Anwaltsfirmen aus Übersee. Die Brexit-Entscheidung hat bei den international aufgestellten Kanzleien in Großbritannien viel Unsicherheit verursacht. Große Sorgen bereiten der drohende Wegzug von Mandanten, die Frage, welchen Zugang die Briten zum EU-Binnenmarkt haben werden – und ob der Londoner Markt seine Bedeutung behält. Auch die Talfahrt des britischen Pfunds hebt nicht gerade die Stimmung. Der Wechsel von renommierten Partnern aus britischen Einheiten zur US-Konkurrenz wird dadurch zusätzlich attraktiv.
Besonders fleißig war in den vergangenen zwei Jahren Latham & Watkins. Sie holte einige der prominentesten Finanzierungs-, Kartell- und Private-Equity-Partner in ihre Reihen, die zuvor für Allen & Overy, Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer oder Linklaters tätig waren. Einer der jüngsten Neuzugänge aus dem Sommer 2017 ist der Gesellschaftsrechtler Dr. Nikolaos Paschos. Die Intention dieser Expansionsstrategie liegt auf der Hand: Latham will an die Marktspitze. Aber auch andere Einheiten wie Sidley Austin, Gibson Dunn & Crutcher oder Kirkland & Ellis haben fleißig akquiriert. Strategisch gehen sie alle ähnlich vor. Stück für Stück erschlossen sie Märkte, die für ihr Geschäft attraktiv schienen. Angefangen mit New York – denn keine der Einheiten hat ihren Stammsitz im Big Apple –, anschließend London und nun Deutschland.
Doch nicht nur die britischen Top-Einheiten sind für die US-Firmen ein attraktives Ziel bei der Suche nach neuen Partnern. Auch Hengeler Mueller, die lange Zeit von der außergewöhnlichen Stabilität ihrer Partnerriege lebte, musste wichtige Akteure ziehen lassen – zuletzt Dr. Steffen Oppenländer, der seit Sommer 2017 für Milbank Tweed Hadley & McCloy tätig ist. Angriffe von außen abwehren konnte bisher noch Gleiss Lutz. Ein verjüngtes Management und eine Riege junger Partner, die sich die Internationalisierung der Mandatsarbeit auf die Fahne geschrieben haben, scheinen bislang der richtige Weg, um den Avancen der US-Praxen standhalten zu können.
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