Mit Seagon endet Eigenverwaltung bei SiC

Auch in den Zeiten nach der ESUG-Reform ist das Austauschen eines Insolvenzverwalters ein epochales Ereignis. Zeit- und Wissensverlust sowie doppelte Kosten halten die Gläubiger in den allermeisten Fällen davon ab, einen einmal installierten Verwalter zu ersetzen. Doch im Falle von SiC Processing gab es einen solchen Wechsel.

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+++ Auch in den Zeiten nach der ESUG-Reform ist das Austauschen eines Insolvenzverwalters ein epochales Ereignis. Zeit- und Wissensverlust sowie doppelte Kosten halten die Gläubiger in den allermeisten Fällen davon ab, einen einmal installierten Verwalter zu ersetzen. Doch im Falle von SiC Processing gab es einen solchen Wechsel. Anfang April wählte die Gläubigerversammlung Christopher Seagon von Wellensiek zum Insolvenzverwalter. Damit war gleichzeitig die Eigenverwaltung des Unternehmens beendet, der bisherige Sachwalter Dr. Hubert Ampferl von Dr. Beck & Partner war sein Amt los und der von Ashurst entworfene Insolvenzplan Makulatur. Unter Ampferls Aufsicht hatte das Schutzschirmverfahren Ende 2012 begonnen. SiC verwertet Produktionsabfälle aus der Photovoltaikindustrie und hatte sich vor zwei Jahren über eine Anleihe refinanziert. Jetzt haben die Anleihegläubiger um Frank Günther von der Corporate-Finance-Gesellschaft Günther & Partner die Wahl Seagons durchgesetzt. Beraten wurde Günter von Gleiss Lutz mit Dr. Andreas Spahlinger und Dr. Marcus Geißler. Für SiC war Ashurst mit Dr. Ingo Scholz und Till Buschmann tätig, außerdem Hermann Jobe & Partner aus München. +++

+++ Während das Schlecker-Verfahren nach dem 10-Millionen-Euro-Vergleich zwischen der Familie und dem Verwalter von Schneider Geiwitz & Partner allmählich aus den Schlagzeilen verschwindet, hat die Sozietät vom Amtsgericht Aalen die nächste große Insolvenz übertragen bekommen. Arndt Geiwitz, Werner Schneider und Patrick Wahren sind seit Anfang April für die Gießereiwerke der SHW Casting Technologies und Schwestergesellschaften in Kiel und Heidenheim zuständig. Insgesamt rund 800 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, allerdings ist das Insolvenzgeld noch bis Ende Juni verfügbar und schafft so einigen zeitlichen Spielraum. +++

+++ Etwas drängender dürfte die Lage bei der Personalvermittlung Reutax sein. Die Gruppe vermittelt projektbezogen Fach- und Führungskräfte vor allem in der IT-Sparte und stellte beim Amtsgericht Heidelberg einen Insolvenzantrag. Die Verwalter der drei Gesellschaften – Tobias Wahl und Alexander Reus von anchor sowie Karl-Heinrich Lorenz von Pabst Lorenz & Partner – müssen eine schnelle Lösung finden, denn das einzige Kapital der Zeitarbeitsbranche ist das Humankapital, in diesem Fall die rund 150 Angestellten sowie 800 Projektmitarbeiter. +++

+++ Wie die Bestellung der anchor-Partner zeigt, hat der vorläufige Abschluss der Centrotherm-Insolvenz bei den involvierten Anwälten Kapazitäten freigesetzt. Anchor war dort in der Sachwalterrolle tätig. Der noch amtierendene Centrotherm-CRO Tobias Hoefer von Hoefer Schmidt-Thieme übernahm Ende März mit seinem Partner Marc Schmidt-Thieme die Insolvenzverwaltung für die vier Unternehmen der ROB-Gruppe. ROB fertigt elektronische Baugruppen und Systeme mit 220 Beschäftigten. +++ (ML)

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