Raue-Neustart

Gründe für die Abspaltung von Hogan Lovells

Anfang der Woche überraschte ein Großteil der deutschen Partner von Hogan & Hartson Raue den Anwaltsmarkt. Sie treten von der Fusion mit Lovells zurück. Dabei waren dem Vernehmen nach die Integrationsgespräche beider Seiten bis vor Kurzem noch sehr positiv verlaufen.

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Dem Vernehmen nach waren die Integrationsgespräche mit Lovells auf der einen und Hogan auf der andere Seite bis vor Kurzem noch sehr positiv verlaufen. Doch stattdessen machen sich jetzt in Berlin rund 40 Hogan-Anwälte, davon 18 Partner, zum Mai unter dem Namen Raue Rechtsanwälte selbstständig.

In Berlin werden nun nur acht Partner und drei Counsel wie geplant zum Mai mit Lovells zusammengehen. Auch das Münchner Büro von Hogan schließt sich an, allerdings kehrt Gesellschaftsrechtler Dirk Besse nach Berlin zurück. Insgesamt gehen hierzulande rund 20 Hogan-Anwälte die Fusion mit Lovells ein.

Marktteilnehmer spekulierten schon seit Bekanntwerden der Fusion über das große Konfliktpotenzial, das sich zwischen Lovells‘ bekannter IP- respektive Medienpraxis und der sehr branchenfokussierten Tätigkeit der bisherigen Einheit von Hogan & Hartson Raue ergeben könnte. So wären Konflikte beispielweise zwischen den Praxen von Hogan-Medienrechtler Jan Hegemann und Lovells-Medienrechtler Dr. Stefan Engels aufgetreten. Hegemann ist häufig für Springer tätig, Engels betreut den Bauer Verlag. Auch Neu-Raue-Partner Kornelius Kleinlein wäre bei einem Zusammenschluss wahrscheinlich auf Probleme gestoßen. Kleinlein ist häufig in Regulierungsverfahren für die Festnetzsparte von Vodafone tätig, die sich unter anderem gegen die Deutsche Telekom richten – einer angestammten Mandantin der deutschen IP- und Medienpraxis von Lovells.

Diese Mandatsbeziehung sorgte im Markt auch nach der Abspaltung weiterhin für Diskussionen: Häufig thematisierten Medienanwälte das Konfliktpotenzial, dass sich aus der Beratung der Lovells-Mandantin Deutsche Telekom und der gleichzeitigen Arbeit von Hogan für den Bezahlsender Sky (vormals Premiere) im Zusammenhang mit den Pay TV-Aktivitäten der Telekom ergibt.

Doch das Konfliktpotenzial dürfte nicht der einzige Grund sein, warum sich die 18 Partner gegen die Fusion entschieden haben. Die deutsche Einheit von Hogan & Hartson ist in Berlin für ihre Selbstständigkeit bekannt. Sie entstand im Herbst 2000, als sich einige Partner entschlossen, die Fusion von Oppenhoff & Rädler zur heutigen Kanzlei Linklaters nicht mit einzugehen. Auch nun treibt scheinbar vor allem der Wunsch nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit und schlanken Management-Strukturen die Abspaltung von Hogan & Hartson an.

„Wir haben in den letzten Wochen und Monaten aus dem Markt die klare Botschaft bekommen, dass unsere Mandanten sich eine fokussierte, mittelgroße Einheit als Partner wünschen“, sagte Christian von Hammerstein, der künftige Managing Partner von Raue Rechtsanwälte. Am Ende habe man sich für die unabhängige, unternehmerische Einheit entschieden, um die bewährte Zusammenarbeit untereinander und mit den Mandanten fortsetzen zu können.

Offen bleibt allerdings, wie die Raue Rechtsanwälte künftig internationale Arbeit anbieten will. Hammerstein sagt jedoch, das Wachstumskonzept der neuen Einheit schließe auch eine internationale Zusammenarbeit ein, „durch die wir wie bisher internationale Mandanten und grenzüberschreitende Transaktionen betreuen werden.“

Raue versteht sich als Full-Service-Kanzlei. Sie berät im Gesellschafts-, Steuer- und Öffentlichen Recht sowie den Segmenten Arbeitsrecht, Immobilienrecht und Urheber- und Wettbewerbsrecht. Schon unter dem bisherigen Label Hogan & Hartson Raue verbarg sich eine sehr durchmischte Kanzlei, mit sehr lokalem bis regionalem Geschäft auf der einen und internationalen Mandaten auf der anderen Seite. Letztere sind oft in den bekannteren Branchenschwerpunkten zu finden, allen voran im Energiebereich.

Zu den Raue-Gründungspartnern gehören neben dem bekannten Kunstmäzen Prof. Dr. Peter Raue, der als Ziehvater vieler Hogan-Anwälte gilt, unter anderem das renommierte Team um Energierechtler Christian von Hammerstein sowie Teile der bisherigen Medienpraxis von Hogan & Hartson Raue mit den Partnern Prof. Dr. Jan Hegemann und Dr. Markus Plesser. Auch die arbeitsrechtliche Einheit um Dr. Gernod Meinel genießt einen guten Ruf.

Bei Hogan Lovells wird Dr. Christoph Wagner neuer Office Managing Partner des Berliner Büros. Er folgt damit auf Dr. Gernod Meinel, der Berliner Office Managing Partner und Mitglied des Executive Committees von Hogan & Hartson war und auch Mitglied des Boards von Hogan Lovells sein sollte.

Dr. Andreas Grünwald wird der Administrative Partner des Berliner Büros von Hogan & Hartson. „Wir freuen uns, dass wir auch weiterhin eine sehr starke Corporate- und Medien/Telekommunikations-Praxis in Berlin haben. Nach unserem Zusammenschluss mit Lovells wird diese Einheit Teil unseres erweiterten Angebots für den deutschen Markt sein“, sagt Warren Gorrell, Chairman von Hogan & Hartson.

So gewinnt Lovells, die 2006 ihr Berliner Büro geschlossen hatte, im Zuge der Fusion zu Hogan Lovells ein Hauptstadtbüro hinzu – wenn auch ein wesentlich schlankeres als geplant.

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