Public Sector

Strategiestreit führt zu Aderlass bei PwC Legal

Die Public-Sector-Beratung von PwC Legal verliert immer mehr Partner. Seit 2019 verlassen zum Teil langjährige Gesellschafter das Beratungsunternehmen, nun steht nach JUVE-Informationen ein halbes Dutzend weiterer Partner samt ihrer Teams kurz davor, der Big-Four-Gesellschaft den Rücken zu kehren. Dahinter steckt ein Streit über die interne Ausrichtung der Praxis – und über das aktuelle Management.

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Christoph Fabritius
Christoph Fabritius

Nach JUVE-Informationen hegen der Düsseldorfer Energiekartellrechtler und Spezialist für Massenverfahren, Christoph Fabritius (48), sowie der Frankfurter Fachmann für die kombinierte gesellschafts- und steuerrechtliche Beratung im Gesundheitssektor, Harald Maas (49), Abwanderungsgedanken. Beide gehören zu den umsatzstärksten Partnern in der Public-Sector-Praxis bei PwC Legal. Maas etwa führt ein Team von bis zu 30 Rechtsanwälten und Steuerberatern. Auf Nachfrage gibt PwC Legal an, „mögliche laufende Personalentscheidungen nicht zu kommentieren“.

Offiziell bestätigt ist hingegen das Ausscheiden des Berliner Partners Dr. Friedrich Hausmann. PwC Legal sagte, der 56-Jährige werde zum August eine Vorruhestandsregel in Anspruch nehmen. Der Vergaberechtler – seit 2014 bei PwC Legal – hat den größten Teil seiner Karriere bei Freshfields Bruckhaus Deringer verbracht und gehörte zu den ersten Großkanzleianwälten, die es in die Welt der Big Four zog. Hausmann, der für seine Arbeit an der Lkw-Maut bekannt ist, wird seine Karriere anderswo fortsetzen. Wo genau ist noch unklar.

Friedrich Hausmann
Friedrich Hausmann

Ebenfalls fest stehen die Abgänge des Düsseldorfer Partners Eike Westermann und des Leipziger Partners Rainer Schindler, die wie Fabritius und Maas seit rund 20 Jahren bei PwC Legal tätig waren. Mit beiden Partnern schloss das Kanzlei-Management Auflösungsverträge zum Jahresende.

Ein weiterer Aussteiger ist Steffen Döring (48). Er verantwortete rund drei Jahre lang die PwC Legal-Kostenstelle der Public-Sector-Beratung. Bei PwC ist die Leitung von Kostenstellen traditionell eine sehr bedeutsame Position, denn in ihr ist die gesamte finanzielle und strategische Verantwortung für einen Beratungsbereich verbunden. Ende des vergangenen Jahres gab Döring den Posten auf, Ende März kündigte er. Es zieht ihn nach JUVE-Informationen zu KPMG.

Verabschiedet sich PwC Legal vom Traditionsgeschäft?

Steffen Schniepp
Steffen Schniepp

Dörings Posten übernahmen der Chef des PwC-Rechtsberatungsarms, Dr. Steffen Schniepp, sowie der Leiter des Bereichs Financial Services Tax & Legal, Markus Hammer. Transaktionsanwalt Schniepp war 2014 von Beiten Burkhardt zu PwC Legal gewechselt und 2018 in das Tax & Legal-Leadership-Team eingezogen, dem auch Hammer angehört. 2020 stieg Schniepp in den Vorstand von PwC Legal auf.

Das Tax & Leadership-Team ist das oberste Führungsgremium der Rechts- und Steuerberatungssparte von PwC und wird geleitet von Klaus Schmidt, der als sogenannter Service Line Leader auch Mitglied der Geschäftsführung von PwC Deutschland ist.

Insbesondere der Führungswechsel an der bedeutsamen Kostenstelle bringt nun immer mehr Partner des traditionsreichen Public-Sector-Geschäfts von PwC Legal auf die Barrikaden. Sie kritisieren, dass weder Schniepp noch Hammer über Erfahrung im Öffentlichen Wirtschaftsrecht verfügen. Die Übernahme der Kostenstelle komme faktisch ihrer Abschaffung gleich, heißt es. Nostalgiker empfinden es sogar als Abschied von den PwC Legal-Wurzeln, die in der integrierten Beratung von Recht und Steuern liegen und fest verankert sind bei kommunalen Unternehmen.  

Spezialisten oder Generalisten?

Bekannt ist, dass das Führungsteam seit einiger Zeit versucht, die Rechtsberatung der Gesellschaft neu auszurichten. In einem Interview mit JUVE vor rund einem Jahr räumte Schniepp ein, dass der angestoßene Wandlungsprozess sicher auch den Weggang von Partnern mit sich bringe. In dieselbe Zeit fielen unter anderem die Wechsel von Dr. Hans-Martin Dittmann zu Mazars und Dr. Sven-Joachim Otto zu EY Law.

PwC Legal bestätigte nun gegenüber JUVE, dass auch die jüngsten Abgänge „in einer unterschiedlichen Auffassung über die neue strategische Ausrichtung“ begründet liegen. Man wolle sich zukünftig weiter auf bestimmte Bereiche fokussieren, „was ja auch die letzten Zugänge gezeigt haben. Wir sind uns sicher, dass wir hier die Lücken schnell wieder schließen können werden“.

Klaus Schmidt
Klaus Schmidt

Ein Fokus der Umstrukturierung und strategischen Neuausrichtung des Geschäfts von PwC Legal war stets das Regionalgeschäft, dass Partner wie Westermann und Schindler als Rechts- und Steuerberater betrieben. Die doppelt qualifizierten Partner sahen sich seit einigen Jahren mit Diskussionen darüber konfrontiert, ob ihr Geschäft der kombinierten Beratung, die etwa aus Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht und Steuern besteht, zu erhalten sei. Umsatzschwächere Partner gerieten in die Defensive. Mit besseren Argumenten ausgestattet waren Anwälte, die sich bereits auf einen Teilmarkt spezialisiert hatten, beispielsweise Maas (Gesundheitssektor) und Fabritius (Energiesektor). Maas, Fabritius und auch Döring (Bund und Länder) unterstrichen stets die Bedeutung der Steuerberatung für ihr deutschlandweites Geschäft im öffentlichen Sektor.

Wie groß wird der Aderlass?

Als Treiber dieser Umstrukturierung gilt Schniepp, der PwC Legal zu einer ‚Law Firm‘ machen wolle, heißt es. Im Hintergrund wirkt nach JUVE-Informationen außerdem Schmidts Vorgänger als Leiter Tax & Legal, Marius Möller, mit großem Einfluss auf die Kostenstellen. Möller fungiert seit der Neuwahl der PwC-Geschäftsführung im Jahr 2018 als Chief Operating Officer an der Seite des PwC-Chefs Dr. Ulrich Störk und gilt damit als eine Art Superminister. Möller ist zudem Aufsichtsrat der PwC Legal AG.

Die sichtbaren Folgen des Strategieschwenks sind zahlreiche Partnerabgänge seit Jahresbeginn: Neben Transaktionsanwalt Dr. Robert Manger, der mit seinem Team regelmäßig auch im Grenzbereich der Public-Sector-Beratung agierte, zog es auch den Energierechtler Dr. Boris Scholtka zu EY Law.

Dass nun noch umsatzstarke PwC-Eigengewächse wie Maas und Fabritius scheinbar unverhohlen mit ihrem Weggang drohen, deutet auf tiefer gehende Verstimmungen in der Partnerriege bei PwC Legal. Mit Fabritius, dem Fachmann für Sammelklagen im regulierten Energiesektor, der zwischenzeitlich zudem die Leitung des Düsseldorfer Standorts übernommen hatte, führt PwC Legal nach JUVE-Informationen sogar einen Rechtsstreit. Die Partnerschaft bei PwC Legal sei harmoniebedürftiger als man denke, berichten Insider. Viele empfinden die Führung von Service Line Leader Schmidt als zu schwach. Dieser schaffe es nicht, Superminister Möller Paroli zu bieten, der als heimlicher Chef im Hintergrund agiere. Ende Juni, zum Quartalsende, läuft die nächste Kündigungsfrist aus. Dann wird sich zeigen, wie groß der Aderlass bei PwC wirklich sein wird. (Martin Ströder)

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