Restrukturierung in eigener Sache

hww will unrentable Verfahren drastisch reduzieren

Die Insolvenzkanzlei hww Hermann Wienberg Wilhelm hat angekündigt, sich von unrentablen Tätigkeitsbereichen zu trennen. Dies betrifft vor allem die Insolvenzverwaltung: In bestimmten Regionen sollen defizitär arbeitende hww-Verwalter keine Insolvenzverfahren mehr annehmen und deshalb ausgewählte Insolvenzgerichte ansprechen.

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Wienberg_Rüdiger
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Namenspartner Rüdiger Wienberg erklärte, diese Einschränkung betreffe zehn bis zwölf Verwalter aus den eigenen Reihen. Das wäre gut ein Viertel der Berufsträger, die nominell als Verwalter tätig sind. Er schloss nicht aus, dass einzelne Verwalter sich neu orientieren und die Kanzlei verlassen. Für die erfolgreichen Verwalter soll sich nichts ändern, sie bearbeiten weiterhin Fälle jeglicher Größenordnung, wie hww nachträglich präzisierte.

Gleichzeitig kündigte Wienberg-Partner Burkhard Jung an, dass hww eine eher projektbezogene Aufteilung des eigenen Geschäfts vornehmen wird und offiziell nicht mehr zwischen Verwaltern, Sanierungsberatern und Rechtsanwälten trennt. Eine Sanierungs- sowie eine Abwicklungsabteilung sollen nach außen das Geschäft bündeln. Je nach Mandat will hww die personellen Kapazitäten der Kanzlei jeweils neu zusammensetzen und in Projektteams bearbeiten.

Jung_Burkhard
Jung_Burkhard

Lange haben alle großen Insolvenzverwalter-Kanzleien ihren Aufwand für kleinere Verfahren mit den Einnahmen aus Großinsolvenzen quersubventioniert. Die Reform der Insolvenzordnung unter dem Stichwort ‚ESUG‘ hat 2012 die Spielregeln auf den Kopf gestellt. Seitdem die Insolvenzgerichte den Großteil der großen und lukrativeren Fälle nicht mehr nach eigenen Listen und eigenem Gutdünken an Verwalter vergeben, sondern den personellen Vorschlägen von Gläubigergremien oder Schuldnerunternehmen verpflichtet sind, geht die Rechnung nicht mehr auf. Die unrentable Aufarbeitung von Kleinverfahren ist nicht mehr das Entree für große Unternehmensinsolvenzen.

hww hatte die Fusion mit der Kanzlei Hermann Anfang 2015 zum Anlass genommen, die Arbeitsabläufe beider Einheiten intensiv zu vergleichen. Das gegenseitige Benchmarking hat bereits zu Veränderungen der internen Prozesse geführt, auch zu Personalmaßnahmen. Den letzten Ausschlag für die jetzige Neuausrichtung  gab im November 2016 die EU-Kommission. Der damals bekannt gewordene  Rahmen für ein präventives Sanierungsverfahren ist weit gefasst und betrifft nach Einschätzung von hww nicht nur vereinzelte Großverfahren. Langfristig sei ein Beharren auf dem klassischen Verwaltermodell nur noch eine Nischenaufstellung.

Der artikel wurde am 31.07.2017 ergänzt.

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