Zum sogenannten Management-Ausschuss gehören neben den Namenspartnern Dr. Wolfgang Kühn, Dr. Hans-Jochem Lüer (Business Development) und Dr. Ralf Wojtek (Internationale Beziehungen) auch die Partner Dr. Dieter Bohnert (Finanzen/ Controlling) und Dr. Armin Frhr. von Griessenbeck (Personal/ Recruitment). Die Aufgaben eines Managing Partners wird künftig Dr. Roland Hoffmann-Theinert aus dem Berliner Büro wahrnehmen.
Für die neuen Kanzlei-Manager war ein Re-engeneering unvermeidlich und schicht eine „Visionsfrage“, wie sie sagen. Dabei will man keineswegs alles anders, doch – wie man annehmen darf – manches besser machen.
Dies betrifft unter anderem ein neues Gewinnverteilungssystem, das gegenüber früher modifiziert worden ist, aber mit dem man an jenem für die Sozietät bewährten Prinzip der leistungsgerechten Vergütung festhalten will. „Heuking ist sehr profitabel“, erklärt Kühn, „für 2000 erwarten wir den gleichen Umsatz wie 1999, obwohl Kollegen uns verlassen haben. Das heißt, dass alle Abgänge zusammengenommen keine Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg der Sozietät hatten.“ Wojtek pflichtet seinem Partner bei: „Unser System der Leistungsbezogenheit hat etwas Außergewöhnliches hervorgebracht: nämlich ‚competitive spirit‘.“ Und Hoffmann-Theinert ergänzt: „Außerdem höchste Leistungsbereitschaft, herausragende Qualifikation‚ frühzeitige Integration junger Rechtsanwälte in die Mandatsarbeit und Entscheidungsabläufe der Sozietät sowie Teamgeist. Das sind die Eckpfeiler unseres Erfolges.“
Für dieses Jahr rechnet die Kanzlei mit einen Umsatz von DM 80 Mio., wie Bohnert sagt.
Das neue Gewinnverteilungssystem, dem eine Leverage Ratio von 1: 1,5 zugrunde liegt, ist in zwei aufeinander aufbauende Phasen gegliedert, erläutert Hoffmann-Theinert. Ein frisch gebackener Partner beginnt in einem relativ strengen Lockstep-System mit einer Punktzahl zwischen 15 und 21 und steigt über einen Zeitraum von acht Jahren auf 35 Punkte auf. Pro Punkt erhält er DM 22.000 und erzielt somit nach einem Anfangsgehalt von mindestens DM 330.000 in der Spitze DM 770.000. Entwickelt sich ein Partner auf dem Equity Track – oder auch später – überdurchschnittlich, wird er aus dem Lockstep-Verband genommen und als „Overachiever“ behandelt, der in der Spitze bis zu 90 Punkten oder knapp DM 2 Mio. pro Jahr erreichen kann. Die Vergütungssumme entspricht dabei bei Heuking immer auch dem Entnahmebetrag, da die Kanzlei keine Rückstellungen bildet.
Ob ein Partner durchschnittlich oder überdurchschnittlich profitabel ist, stellt, wie es heißt, ein Vergütungsausschuss fest, der jeden Sozius, nach einem bestimmten Schlüssel – zusammengesetzt aus Mandatsarbeit, Akquisition und sonstigen Leistungen – für die Dauer eines bestimmten Zeitraumes bewertet.
Ein Pensionsanspruch besteht nicht, aller Wahrscheinlichkeit wird die Altersgrenze auf 65 Jahre festgesetzt werden. Die Kostenquote geben die Partner mit 50% an. An eine interne Verrechnung für die Weitergabe von Mandaten an entsprechend spezialisierte Kollegen ist nicht gedacht. Die Akquisitionsleistung eines Partners will man dagegen sehr wohl berücksichtigen. Umsätze und Kosten wollen die Manager jeden Monat auswerten lassen und allen Anwälten zugänglich machen, um auf diese Weise auch einer Spezialisierung in die Hand zu arbeiten, wie von Griessenbeck verdeutlicht: „Eine Offenlegung aller Zahlen fördert die Spezialisierung, weil ein Anwalt nur unter der Voraussetzung, dass er sich spezialisiert, auf Dauer profitabel ist.“ Managing Partner Hoffmann-Theinert sieht deutlich den Effekt: „Einzelne sind bei uns durch das unternehmerische Element immer zu Höchstleistungen aufgestiegen.“
Die Frage nach der Gefahr einer internen Konkurrenz, vor allem zwischen Partnern auf der einen Seite und jüngeren, aufsteigenden Kollegen auf der anderen, beantworten die Sozien gelassen. Eine Erfolgsorientierung verlange jungen Kollegen geradezu die Leistung ab, frühzeitig Eigeninitiative zu entwickeln und sich als Anwaltspersönlichkeit eigenständig zu behaupten. Als einen Beleg für diese Initiativfreude werten Wojtek und seine Kollegen unter anderem ein Treffen aller Associates in Hamburg, das diese selbstständig organisierten und wovon Wojtek und Hoffmann-Theinert erst per Einladung erfuhren.
Dass die Anstrengungen einer Reorganisation vor allem in Hinblick auf eine baldige Fusion mit Denton Wilde Sapte unternommen würden (die aus der Fusion von Denton Hall mit Wilde Sapte kürzlich hervorgegangene britische Sozietät, zu der Heuking über die Allianz Denton International langjährige Beziehungen unterhält), ist den Mitgliedern des Management-Ausschusses zu kurzfristig gedacht. Kühn verdeutlicht die deutsche Position: „Wir wollen unter einem Logo auftreten, auch eine Fusion ist in der Zukunft nicht ausgeschlossen, steht aber in nächster Zeit nicht an. Für heute lautet der Schlüsselbegriff Autonomie.“
Auch Bohnert ist der Meinung, dass „eine Gemeinschaft von Profit Centern Denton zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls lieber ist.“ Steven Barkley, Londoner Partner bei Denton, bestätig diese Haltung: „Wir haben seit beinahe zehn Jahren eine sehr erfolgreiche Beziehung, über die wir in London sehr glücklich sind. Es gibt Argumente, die für eine Fusion sprechen, wie es Argumente für eine Allianz gibt. Wenn es opportun erscheint, die gegenwärtige Situation zu verändern, werden wir es gemeinsam tun.“
Nicht zuletzt sei die Frage bzw. Möglichkeit einer Fusion keine rein bilaterale Angelegenheit, betont Hoffmann-Theinert. „Es gibt auch noch andere internationale Partner bei Denton International, das macht es komplizierter. Eine Lösung muss für alle taugen, deshalb brauchen wir wie in der EU erst einmal Konvergenz-Kriterien.“ Auch auf die Tatsache, dass Denton gerade erst eine Fusion hinter sich gebracht hat und weitere Allianz-Partner in den USA sucht, weist Heukings Managing Partner hin.
Für die nächste Zukunft hat sich die Kanzlei zunächst das ehrgeizige Ziel gesetzt, an allen Standorten personell um 10 bis 15% jährlich zu wachsen, schon für dieses Jahr wurden seit Beginn 15 neue Anwälte eingestellt. Insbesondere das Frankfurter Büro soll hinsichtlich der Finanzrechtspraxis verstärkt werden. Hierbei verspricht man sich wertvolle Impulse aus der Verbindung mit Denton Wilde Sapte, die als eine der führenden Adressen im Bankrecht in London gilt.