Hinter der neuen Gewinnverteilung steht vor allem das Ziel, die standortübergreifende Zusammenarbeit zu stärken. Künftig werden 90 Prozent des Gewinns nach Lockstep-Punkten verteilt. Die restlichen zehn Prozent werden als Bonus nach sogenannten meritorischen Gesichtspunkten vergeben, wozu etwa die Weitergabe von Mandaten zählt. Über die Gewinnverteilung entscheidet ein Vergütungsausschuss, dem die Geschäftsführung sowie vier Partner von verschiedenen Standorten angehören.
Bislang konnten Partner bei Graf von Westphalen die Boni nur dann erhalten, wenn sie einen positiven Saldo hatten. Diese Regelung wurde nun abgeschafft, da sie nach Ansicht der beiden geschäftsführenden Partner Dr. Christof Kleinmann und Dr. Robert Theissen die falschen Anreize gesetzt hat. Nun könne man einen akquisestarken Partner adäquat entlohnen. Theissen sagte: „Es muss so sein wie im Sport, wo die Vorlage genauso wichtig ist wie der Torerfolg.“ Kleinmann fügte hinzu: „Das Ziel, mit dem Robert Theissen und ich vor einem Jahr zur Managing-Partner-Wahl angetreten sind, war es, die Spezialisierungen und die rechtsgebiet- sowie standortübergreifende Zusammenarbeit voranzubringen. Mit den Neuerungen im Sozietätsvertrag ist der Grundstein dafür nun gelegt.“
Die Partnerversammlung der Kanzlei stärkte zugleich auch die Befugnisse der Geschäftsführung, die nun etwa die Praxisgruppen- und Fachbereichsleiter ernennt. Anders als zuvor haben die Leiter der Praxisgruppen und der rechtsgebietsübergreifenden Fachbereiche Verantwortung für Umsatz und Budget sowie für Business Development.
Theissen zufolge hat die Partnerschaft die Reform mit einer Zustimmung von 90 Prozent verabschiedet. „Der Abstimmungsprozess hat uns gezeigt, dass alle Partner bereit sind zur konstruktiven Mitarbeit. Das war für uns das I-Tüpfelchen nach der strategischen Ausrichtung der vergangenen vier Monate.“
Im Sommer dieses Jahres hatten sich überraschend die umsatzstarken Standorte Köln und Freiburg abgespalten und als Friedrich Graf von Westphalen & Partner eine neue Sozietät gegründet (mehr…). Als Gründe wurden damals strategische Differenzen genannt, die sich vor allem am strafferen Kurs der neuen Managing Partner Kleinmann und Theissen entzündet haben. Beide waren zur Wahl mit dem klaren Ziel angetreten, effizientere Kanzleistrukturen zu schaffen.