Umbau

Deutsche Bank will Rechtsverantwortung transparenter machen

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  • JUVE

Die Deutsche Bank treibt unter ihrem Co-Vorstandsvorsitzenden John Cryan den Umbau in der erweiterten Führungsriege voran. Nach JUVE-Informationen steht nun die neue Spitze der Rechtsabteilung in Deutschland fest. Zudem wurden zusätzliche rechtliche Verantwortungsbereiche auf Produktebene sowie für globale Zentralfunktionen installiert. Ziel des Umbaus dürfte es sein, transparentere Verantwortlichkeiten zu schaffen.

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Florian Drinhausen
Florian Drinhausen

Die Führung der deutschen Rechtsabteilung übernehmen künftig in Form einer Doppelspitze Dr. Florian Drinhausen und Matthias Otto. Sie folgen auf Dr. Christof von Dryander, dem seinerseits zusammen mit dem Briten Simon Dodds zum Jahreswechsel die weltweite Leitung aller Rechtsfunktionen des Instituts zufällt.

Die größte Einzelrechtsabteilung innerhalb des Konzerns mit rund 350 Juristen ist die deutsche. Drinhausen und Otto waren bislang von Dryanders Stellvertreter, wobei Drinhausens Schwerpunkte in der Organberatung, Prozessen und Sonderaufgaben lagen, und Otto hauptsächlich für regulatorische Fragen zuständig war. Drinhausens bisherige weitere Zuständigkeit als General Counsel EMEA übernimmt mit seinem Wechsel der Londoner Deutsche Bank-Jurist Alex Scott-Gall.

Die Wechsel auf den Spitzenebenen sind eine Folge des angekündigten Ausscheidens des langjährigen globalen Chefjuristen, des US-Amerikaners Richard Walker, zum Jahresende.

Für den neuen deutschen Rechtsabteilungsleiter Florian Drinhausen ist es ein schneller Aufstieg in dem Institut. Er stieß erst Anfang 2014 von Linklaters zu der Bank. Mit der Neuaufstellung dürfte der Einfluss Deutschlands innerhalb der Rechtsabteilung wieder deutlich zunehmen, auch weil sich das Machtzentrum in der Deutschen Bank derzeit von den USA und Großbritannien wieder stärker auf den Heimatmarkt verlagert.

Neue globale Funktionen

Parallel zur der Neuaufstellung der Rechtsabteilung in Deutschland bekommt die Deutsche Bank auf der gleichen Hierarchieebene eine Reihe neuer global zuständiger Fach- und Produktdivisionen im Rechtsbereich. Um den Produktfokus der Arbeit stärker zu betonen, wurde unter anderem eine Verantwortung im Bereich Asset Wealth Management geschaffen. Diese übernimmt Paul McDade, bislang General Counsel Private Bank International EMEA and Asia der US-Bank JP Morgan Chase in London.

Zudem wird die Funktion eines Global General Counsel für Bankaufsichtsrecht geschaffen, die künftig die bisher in der deutschen Rechtsabteilung tätige Dr. Karen Kuder einnimmt. Auch eine globale GC-Verantwortung für Litigation wird es geben: Sie wird von dem bisherigen Head of Litigation and Regulatory Enforcement für den amerikanischen Kontinent, David Levine, in New York wahrgenommen

Alle neuen Positionen werden offiziell zum Jahreswechsel geschaffen, alle berichten an von Dryander und Dodds.

Umbau allerorten

Seit seinem Amtsantritt im Sommer krempelt der neue Co-Vorstandschef John Cryan die Führungsriege der Deutschen Bank kräftig um. So muss nicht nur der zuletzt stark in die Kritik geratene Walker seinen Posten als weltweiter Rechtschef räumen. Der ebenso unter Beschuss geratene Dr. Stephan Leithner, bis Anfang dieses Jahres als Compliance-Vorstand auch Chef der Rechtsabteilung, verlässt die Deutsche Bank zum November und wird Partner beim Finanzinvestor EQT.

Vorstand für Recht ist künftig der bisherige Chief Operating Officer Karl von Rohr. Das Compliance-Ressort im Vorstand übernimmt Sylvie Matherat. Anders als Walker werden von Dryander und Dodds nicht dem erweiterten Vorstand angehören, denn das sogenannte Group Executive Committee wird zum Jahreswechsel aufgelöst. Beide berichten dann direkt an von Rohr.

Die neue Struktur ist auch eine Reaktion auf die Probleme, die die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Verstöße und Rechtsstreitigkeiten hatte. So musste der Konzern milliardenschwere Rücklagen für die anhängigen Rechtsstreitigkeiten bilden. Der gesamte Deutsche Bank-Konzern steht derzeit vor massiven Veränderungen: Erst gestern kündigte Cryan den Abbau von 15.000 Stellen an. Ob und inwieweit auch die Rechtsabteilung und das Compliance-Team davon betroffen sein werden, ist noch nicht bekannt. (Jörn Poppelbaum, René Bender)

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