Umbruch

Global Head von KPMG Law gibt überraschend sein Amt auf

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  • JUVE

Dr. Manfred Kessler steht nicht mehr an der Spitze von KPMG Law. Der Global Head des Rechtsberatungsarms der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist aus der Geschäftsführung ausgeschieden und wird KPMG verlassen. Das geht aus einer internen Mitteilung von KPMG hervor, die JUVE vorliegt. Die kommissarische Leitung hat demnach Mathias Oberndörfer, Partner bei KPMG Law in Nürnberg und Bereichsvorstand Public Sector, übernommen.

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Manfred Kessler
Manfred Kessler

Auf der Gesellschafterversammlung der KPMG Rechtanwaltsgesellschaft am 4. Oktober sei beschlossen worden, die Geschäftsführung neu aufzustellen, heißt es in der Mitteilung. Oberndörfer werde in den nächsten Wochen zusammen mit allen Law-Partnern definieren, welche Strukturen und organisatorischen Maßnahmen am besten geeignet seien, um die gemeinsame Wachstumsstrategie umzusetzen.

Wie aus der Mitteilung hervorgeht, war diese Wachstumsstrategie vor einem Jahr beschlossen worden. Als notwendig zur Umsetzung der Strategie werden demnach Geschwindigkeit und eine Konzentration auf die Entwicklung neuer Dienstleistungen angesehen. Diese und weitere Ausführungen der internen Mitteilung lassen erahnen, dass einigen Gesellschaftern die Entwicklung von KPMG Law nicht schnell genug vorangeht.

Kessler kam 2007 zu KPMG Law. Damals gingen alle Standorte der Kanzlei KDM Kessler, in der er einziger Namenspartner war, komplett in KPMG auf. Kessler gilt als Architekt des heutigen Formats von KPMG Law, die in Deutschland mehrere Anläufe gewagt hatte.

KPMG-Partner zeigten sich enttäuscht über das Ausscheiden von Kessler. Einige gaben aber auch zu, dass das Wachstum anderer Big-4-Anwaltsgesellschaften KPMG Law unter Druck gesetzt habe: „Auch wenn man abwarten muss, ob der Erfolg von Deloitte und PwC nachhaltig ist, muss man in Anbetracht dessen vielleicht auch über seine eigenen Strukturen nachdenken“ sagte ein Partner gegenüber JUVE.

Mathias Oberndörfer
Mathias Oberndörfer

Als mögliche Nachfolger von Kessler werden etliche Kandidaten gehandelt: der Frankfurter Bankrechtler Dr. Markus Lange, der Berliner Standortleiter Dr. Ulrich Thölke, der Leiter des Bereichs Wirtschaftsstrafrecht, Dr. Heiko Hoffmann, sowie der kommissarische Leiter Oberndörfer. Auch der Corporate-Partner Maximilian Gröning (Düsseldorf) und der Leiter Deal Advisory, M&A, Dr. Volker Balda (Frankfurt) werden als wichtige Figuren in der Debatte um die künftige Aufstellung und Strategie der Kanzlei gesehen. Beantwortet werden muss internen KPMG-Quellen zufolge etwa die Frage, ob die Rechtsberatung weiterhin organisatorisch unter den Steuerbereich angesiedelt werden soll. Zudem stünden die Organisation der Praxisgruppen sowie die Rolle der Leiter dieser Bereiche auf dem Prüfstand.

KPMG Law hat in den vergangenen Jahren etliche bekannte Partner verloren. Ein Ex-KPMG-Anwalt sagte gegenüber JUVE: „Manfred Kessler hat zehn Jahre lang einen tollen Job gemacht, aber in den letzten zwei Jahren entstanden gewisse Fliehkräfte, worunter seine Position bei KPMG und das Ansehen der Rechtsberatungsgesellschaft gelitten haben“. Die wichtigste Frage  – wie bei allen großen MDPs – bliebe, welche Rolle dem Rechtsberatungsarm innerhalb der Organisation zukomme. Dieser sei zwar durchaus profitabel, mache aber nur einen kleinen Bruchteil des gesamten Milliardenumsatzes von KPMG aus. „Die 61 Millionen Euro im GJ 2014/2015 der Anwälte sind teuer erkauft, wenn man die ganzen regulatorischen Beschränkungen auf das Gesamtunternehmen in Betracht zieht“, sagte ein weiterer früherer KPMG-Jurist.

JUVE-Anfragen blieben von KPMG Law und Manfred Kessler unbeantwortet.

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