Es ist bereits das vierte Jahr in Folge, dass White & Case ihre Produktivität erhöhen konnte, auch wenn dies größtenteils in kleinen Schritten geschah. Dies ist eine unmittelbare Folge des internen Umbruchs, den sie seit 2012 vorantreibt, mit dem Ziel durch höherwertiges und internationaleres Geschäft der Marktspitze stärker Paroli zu bieten. Einige Teams wie die Restrukturierungspraxis spielen dort längst mit. Es stärkte seine Position durch die Arbeit an großen und aufwendige Krisenfällen wie denen des Solarunternehmens Solarworlds, des Immobilienkonzerns IVG und Scholz-Recycling sogar noch. Anderen Praxen wie dem Corporate/M&A-Team gelingt es bislang nur zum Teil, enge Beziehungen zu internationalen Konzernen zu knüpfen. Arbeit wie die für das Chemieunternehmen Clariant war eher die Ausnahme denn die Regel. Auch deshalb klafft in puncto Produktivität noch eine klare Lücke zu Wettbewerbern wie Allen & Overy, Linklaters und Latham & Watkins, deren UBT sich im Geschäftsjahr 2013 bei rund 650.000 Euro bewegten – aktuelle Zahlen liegen allerdings noch nicht vor.
Ein echtes Hemmnis für eine weiter steigenden Qualität und Quantität der Mandate und damit auch eine Zunahme der Produktivität waren 2014 die beiden schwächelnden Büros in Düsseldorf und München. In Düsseldorf, wo White & Case sich in den vergangenen Jahren sehr schwer tat, erfolgreiche Quereinsteiger an sich zu binden, leitete sie aber jüngst einen Wiederaufbau ein und gewann ein sehr angesehenes Energieteam von Clifford Chance. Bereits Ende 2014 hatte die Sozietät in Frankfurt in den Zugang des aufstrebenden und derzeit sehr erfolgreichen Kapitalmarktrechtlers Gernot Wagner von Allen & Overy investiert.
Will die Kanzlei mittelfristig wieder unter die Top-Ten der umsatzstärksten Einheiten hierzulande vorrücken, dürfte es aber weitere Verstärkung von außen brauchen. Intern hatte White & Case zum Beginn dieses Jahres gleich sieben Anwälte zu Partnern ernannt. Aus den Top-Ten war White & Case 2013 herausgefallen, weil sich die Konkurrenz schneller entwickelte. Platz 10 hatte mit einem Umsatz von 119 Millionen Euro zuletzt Taylor Wessing inne. (René Bender)