WP-Gesellschaften

Rechtsberatung bleibt Hoffnungsträger der Branche

Die 25 größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deutschlands setzen im Zeichen oftmals stagnierender Abschlussprüfungen immer mehr auf die angrenzenden Beratungsfelder. Im Fokus stehen vor allem die Rechts- und Steuerberatung, gefolgt von Corporate Finance-/M&A-Beratung. Dies ist ein Ergebnis der gestern erschienenen Lünendonk-Studie über die Entwicklung der Branche der Wirtschaftsprüfer

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Der geschäftsführende Gesellschafter von Lünendonk, Jörg Hossenfelder, machte bei der Vorstellung der Studie ein „Wachstum in der Rechtsberatung zu Ungunsten der Abschlussprüfung, und damit eine Diversifizierung des Leistungsspektrum im WP-Markt“ aus.

Insbesondere bei den so genannten Big-Four PwC, KPMG, EY und Deloitte habe das Kerngeschäft Abschlussprüfung mittlerweile in Relation zum Gesamtumsatz einen deutlich kleineren Anteil als in den auf den Plätzen 5 bis 25 folgenden Gesellschaften. Dagegen steche der Advisory-Bereich – inklusiv Corporate Finance und Business Consulting – im Marktvergleich deutlich hervor. Laut Hossenfeld ist Advisory mit einem Umsatzanteil von durchschnittlich 33 Prozent bei den Big-Four mittlerweile stärker als der Bereich Steuerberatung (28 Prozent) und fast gleichauf mit der Wirtschaftsprüfung mit knapp 39 Prozent des Durchschnittsumsatzes.

Dass vor allem die Rechtsberatung attraktiv ist, lässt sich nach der Studie auch am Umsatz pro Mitarbeiter ablesen: Außerhalb der Big-Four ist dieser mit 160.000 Euro bzw. knapp 140.000 Euro bei Ebner Stolz bzw. Baker Tilly Roelfs, zwei Gesellschaften mit einem großen Anwaltsarm, besonders hoch. Diese Zahlen lassen sich allerdings nicht mit den JUVE-Daten vergleichen, bei denen der Umsatz pro Berufsträger im Fokus ist, nicht der Pro-Kopf-Umsatz aller Mitarbeiter.

Digitalisierung erfordert Investitionen

Martin Plendl
Martin Plendl

Die Wirtschaftsprüfer-Branche befindet sich derzeit in einem Wandel und ist gekennzeichnet von Fusionen. Dafür sind vor allem der Preisdruck in der Abschlussprüfung, die EU-Regulierung und die Digitalisierung der Branche die entscheidenden Gründe. Laut dem Vorstandsvorsitzenden von Warth & Klein Grant Thornton, Prof. Dr. Klaus-Günter Klein, entwickelt sich die Branche gerade weg von Unternehmen, deren Vermögen klassischerweise aus Schreibtischen und Mitarbeitern besteht, hin zu einem kapitalintensiven Geschäft, das getrieben ist von Investitionen in IT-Lösungen. Prof. Dr. Martin Plendl, CEO von Deloitte Deutschland, kündigte an, bis 2020 rund 300 Millionen Euro in die Digitalisierung zu investieren.

An der Reihenfolge der Top-10 hat sich im Vergleich zum Vorjahr indes kaum etwas verändert. PwC bleibt mit einem Umsatz von 1,54 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2014 die größte WP-Gesellschaft hierzulande, gefolgt von KPMG und EY, die nun fast gleichauf mit jeweils knapp 1,4 Milliarden Euro liegen. Deloitte, die den größten Umsatzsprung der Big-Four machte, bleibt mit 729 Millionen Euro auf Rang vier. Nach ihren jüngsten Fusionen haben nun auch Baker Tilly Roelfs (131 Millionen) und Roever Broenner Susat Mazars (111 Millionen) die Einnahmeschwelle von 100 Millionen Euro übersprungen und landen damit auf den Plätzen 8 und 9. (Jörn Poppelbaum)

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