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Cloud oder Server – wo sollen Kanzleidaten liegen?

Ob Kanzleidaten besser in der Cloud oder auf dem Server aufgehoben sind, ist für Kanzleien von großer Bedeutung. Vor allem kleinere Kanzleien bewerten das Thema sehr unterschiedlich.

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„Ein eigener Serverraum bedeutet digitale Denkmalpflege“

Dr. Alexander Remplik ist Equity-Partner bei Schmidt von der Osten & Huber in Essen.

Wer als Kanzlei heute noch auf den eigenen Serverraum schwört, betreibt digitale Denkmalpflege. Klingt hart? Ist aber unsere Überzeugung. Denn wir haben inzwischen alle Zelte im eigenen Rechenzentrum abgebrochen – und es keinen Tag bereut.

Die Ausgangslage vor zweieinhalb Jahren war denkbar klar: ein sechsstelliger Betrag für neue Server-Hardware oder der konsequente Schritt in die Cloud. Für rund 100 Nutzerinnen und Nutzer, davon 45 Berufsträger, keine triviale Entscheidung. Aber im Grunde war sie einfach. Denn jedes Argument, das wir mit IT-Dienstleistern und Softwareanbietern durchgespielt haben, zeigte in dieselbe Richtung: Cloud schlägt Keller.

Die Investitionskosten? Deutlich niedriger. Die Skalierbarkeit? Nahezu grenzenlos, unabhängig von Lieferketten und Hardwarezyklen. Die Sicherheit? Auf einem Niveau, das wir On-Premise schlicht nicht halten könnten. Ja, die laufenden Lizenzkosten steigen. Dafür entfallen teure Erneuerungsinvestitionen für alternde Server, und wir sind jederzeit auf dem neuesten Stand. Entscheidend war auch: Die gesamte Softwarewelt bewegt sich Richtung ‚Software as a Service‘. Wer da mit eigener Hardware hinterherhinkt, verliert den Anschluss – nicht irgendwann, sondern jetzt. Den überzeugendsten Beweis lieferte jedoch unser früher Einsatz leistungsstarker KI-Produkte in unserer eigenen Cloud. Was anfangs eine strategische Wette war, erweist sich heute als wegweisende Grundlage für die Zukunft unserer Kanzlei.

„Wer vorschnell auslagert, gibt mehr ab als nur Hardware“

Jens Haubold ist Equity-Partner bei Thümmel Schütze & Partner in Stuttgart.

Die Botschaft wird meistens mitgeliefert: Auslagern ist Fortschritt, alles andere wirkt wie Nostalgie. Aber Server verschwinden nicht, nur weil sie anderswo stehen – und Verantwortung auch nicht. Gerade in einer Kanzlei, in der täglich hochsensible Mandantendaten verarbeitet werden, bleiben bei Cloud-Lösungen für uns zu viele offene Fragen: beim Datenschutz, bei Zuständigkeiten, bei der tatsächlichen Kontrolltiefe. Wer hier vorschnell auslagert, gibt mehr ab als nur Hardware.

Deshalb betreiben wir bewusst eigene Server. Für eine Kanzlei mit rund 120 Mitarbeitenden ist das kein Rückschritt, sondern eine klare strategische Entscheidung: Unabhängigkeit von Providern, direkte Kontrolle über Daten und Systeme, kurze Reaktionszeiten – und eine mit dreieinhalb Vollzeitstellen besetzte IT-Abteilung, die unseren Arbeitsalltag abbildet, statt ihn zu verbiegen. Das IT-Team versteht nicht nur die Technik, sondern auch die Abläufe der Kanzlei. Das können externe Dienstleister nicht bieten – zumindest nicht ohne Reibungsverluste. Und die Kosten? Die Cloud verkauft gern die Illusion vom Wegfall: keine Investitionen, keine Wartung, alles inklusive. Tatsächlich verschwinden die Aufwände nicht, sie verlagern sich. Entweder bezahlt man sie über laufende Gebühren oder über eigenes Personal für Betrieb und Support. Im laufenden Betrieb ist aber unsere eigene Infrastruktur rund 10 Prozent günstiger. Die eigene Serverlandschaft ist keine Altlast, sondern eine bewusste Zukunftsentscheidung.

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