Kommentar

Kammern packt die Sammelwut

Gut, dass die Kammern nach der BRAO-Reform nun Kanzleien beaufsichtigen – aber sie schießen über das Ziel hinaus.

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Für Kanzleien wie Kirkland & Ellis, Milbank, White & Case und Latham & Watkins ist die neue Zulassungspflicht eine Zäsur: Bislang konnten amerikanische und britische LLPs relativ sorgenfrei im deutschen Markt agieren, ungeachtet ihrer dreistelligen Millionenumsätze und ihrer wachsenden Bedeutung im deutschen und europäischen Markt. Die anwaltliche Selbstverwaltung und damit auch die anwaltliche Aufsicht interessierte sich nur für die einzelnen Berufsträger und nicht für die Kanzlei als Organisation.

Sinn und Zweck der BRAO-Reform ist aber unter anderem, die in Deutschland tätigen Wirtschaftskanzleien zu beaufsichtigen und sie losgelöst vom Einzelanwalt auch als Organisationen in die Verantwortung zu nehmen: Das gilt selbstverständlich auch für die außereuropäischen Gesellschaften. Dies ist richtig und längst überfällig! Und wer Organisationen beaufsichtigen will, benötigt Informationen. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die zuständigen Kammern zunächst einmal viele Details über ihre neue Zielgruppe wissen wollen.

Doch an einigen Stellen schießen die Aufpasser mit ihrem Wissensdurst deutlich über das Ziel hinaus. Es ist kaum nachvollziehbar, warum die Kammern ihre Aufsichtspflicht auf fortlaufend aktualisierte Gesellschafterlisten stützen wollen. Der Informationswert des Namens eines Partners in Riad oder Singapur dürfte für diesen Zweck gegen Null tendieren. Es ist möglicherweise der Unerfahrenheit der Kammern geschuldet und ihrer Sorge, lieber zu viel als zu wenig über ihre neuen Schützlinge zu wissen. Aber es ist einer von mehreren Punkten, an denen unbedingt noch nachjustiert werden muss, damit die Kammern eine schlagkräftige Aufsicht werden.

Der Kommentar stammt aus der aktuellen Ausgabe 12/2022 des JUVE Rechtsmarkt.

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