Kommentar

Klimawandel wird zum Recruiting-Thema

Ein Mandat ist erfolgreich, wenn es besonders viel Umsatz generiert. So viel steht fest, oder? Aber ist das noch der einzige Maßstab, der im Jahr 2021 zählt? Mit den Auswirkungen, die ein Projekt für die Umwelt, die Gesellschaft, die nachhaltige globale Wertschöpfung hat, wirbt am Ende niemand so gerne. Auch nicht um vielversprechende Junganwälte. Ein Kommentar von Anika Verfürth.

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Kritische Fragen zur Nachhaltigkeit hören Kanzleien von Bewerbern immer häufiger. Imagebroschüren zur Pro-Bono-Arbeit oder sparsame Wasserhähne im Büro reichen als Antwort nicht mehr aus. Denn die junge Generation will mehr. Sie ist das Geschwurbel aus Politik und Wirtschaft leid. Sie geht auf die Straße und fordert Taten ein – so lange, bis etwas passiert. Dass diese Prioritäten auch die Erwartung an die eigene Arbeit und den eigenen Arbeitgeber prägen, ist nur konsequent. Eine Gewissheit hat damit allerdings ausgedient: Man kann nicht mehr davon ausgehen, dass Berufseinsteiger unterschiedslos über jedes Mandat glücklich sind, das sie ein Stückchen näher zum Aufstieg in die Partnerschaft bringt. 

Anika Verfürth
Anika Verfürth

Immer mehr junge Juristen wollen ihre Ausbildung und ihre sozial privilegierte Stellung nutzen, um etwas zu verändern. Und wenn Kanzleien hier nicht überzeugen, werden sich die Bewerber eben hin zu anderen Arbeitgebern orientieren. Langsam, aber sicher entsteht gerade eine weitere Konkurrenz im Rekrutierungsmarkt: NGOs, die mit juristischen Werkzeugen gegen den Klimawandel arbeiten und oft schon ähnlich professionell auftreten wie viele Wirtschaftskanzleien.

Da mag der ein oder andere gestandene Partner die Nase rümpfen und sich auf das traditionelle Erfolgsethos der Wirtschaftsanwälte verlassen. Doch für immer mehr Bewerber muss die Gesamtrechnung stimmen. Die nächste Anwaltsgeneration durchschaut schnell, wenn Arbeitgeber ihre gesellschaftliche Verantwortung einfach ausblenden oder mit leeren Versprechen kaschieren – und sie wird reagieren. Für alles andere bleibt heute schlicht keine Zeit mehr. 

Lesen Sie dazu auch den Artikel „Lawyers for Future“ im aktuellen JUVE Rechtsmarkt 09/2021.

 

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