Kommentar

Inhousejuristen, es ist Zeit für Mut und Management!

Für überforderte Rechtsabteilungen liegt das Gute womöglich viel näher, als manche meinen. Doch dafür müssen sie vom reinen Berater zum Mitgestalter werden.

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Regulierung, Digitalisierung, jetzt auch noch das Megathema ESG – die Baustellen für Unternehmensanwälte werden nicht weniger. Selten hatten Rechtschefs zwar so viele Möglichkeiten, den steigenden Anforderungen zu begegnen. Doch ebenso selten war es auch so schwierig, das Heft in der Hand zu behalten. Chefsyndikus und -syndika entscheiden nicht mehr unbedingt selbst, wie sich ihr Arbeitsalltag entwickelt, und schon gar nicht allein. Wer nicht zum Getriebenen werden will, muss Initiative als Rechtsmanager entwickeln.

Denn gefordert sind nicht nur Berater und Risikoabschätzer, sondern längst auch Mitgestalter der digitalen Entwicklung. In dieser Situation an alten Methoden zu kleben, ist keine Option, denn die zusätzliche Arbeit wird nur durch das beherzte Freischaufeln bestehender Ressourcen zu bewältigen sein. Genau dafür bieten sich immer mehr Dienstleister an – aus dem Personalsektor, der Legal-Tech-Ecke oder auch klassische Kanzleien mit neuen Ideen. Oft scheitert deren Einsatz aber schon daran, dass die Daten fehlen für einen Kostenvergleich zwischen Secondees und Projekt­juristen oder einer soliden Vertragssoftware einerseits, vergeudeter Geistesleistung qualifizierter Inhouse-Anwälte andererseits.

Das Gute liegt dabei womöglich viel näher, als manche meinen. Die nötigen Kompetenzen sind in vielen Unternehmen längst vorhanden – nur nicht in der Rechtsabteilung. Ein engerer Schulterschluss mit den IT-, Strategie-, Personal- und Einkaufs­abteilungen könnte nicht nur neue Ideen und zusätzliche Ressourcen bringen, sondern auch die Position der Juristen im Unternehmensgefüge verbessern: weg vom Experten alter Schule, hin zum vernetzt denkenden Mit-Innovator. All das kostet Kreativität, Courage und Managementzeit. Aber ohne diese Investments laufen die Rechtsabteilungen Gefahr, den Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden.

Der Kommentar stammt aus der aktuellen Ausgabe 2/2022 des JUVE Rechtsmarkt, die sich auf Basis exklusiv erhobener Marktdaten umfassend der Entwicklung von Rechtsabteilungen widmet.

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