Juve Plus

Kontakte, Kontakte, Kontakte

Sicher, es war der bislang größte Private-Equity-Deal des Jahres. Der britische Finanzinvestor Charterhouse Capital Partners übernahm den Essener Heizkostenabrechner Ista International GmbH von CVC Capital Partners für stattliche 2,4 Milliarden Euro. Aber das Jahr ist noch jung, in den kommenden Monaten stehen noch so einige Megadeals auf der Agenda. In Feierlaune dürften sich jedoch die deutschen Corporate-Anwälte von Allen & Overy befinden, für ihre Praxis war die Beratung von Charterhouse die größte in ihrer Geschichte.

Teilen Sie unseren Beitrag

Der Kontakt zu dem Finanzinvestor ist dabei einem Quereinsteiger in London zu verdanken: Als Derek Baird im Januar 2006 von Lovells zu Allen & Overy kam (JUVE 03/06), brachte er auch ein vertrauensvolles Verhältnis zu Charterhouse mit. Nur wenig später wurde auch der Hamburger Corporate-Partner Dr. Helge Schäfer für den englischen Mandanten aktiv – hatte in den Bieterwettkämpfen jedoch immer das Nachsehen.

Mit der Ista-Übernahme gelang dem Private-Equity-Haus nun erstmals in Deutschland eine Akquisition, und auch gleich eine der größeren ihres Portfolios. Dabei war die Konkurrenz nicht zu verachten: Presseberichten zufolge waren am Ende noch Terra Firma, Dubai International, Arcapita und ein Fonds der niederländischen Bank ABN Amro im Rennen um Ista, das früher unter Viterra Energy Services firmierte.

Auch hatte CVC parallel zum Verkaufsprozess einen Börsengang des Unternehmens in Betracht gezogen. Ein reges Treiben herrschte damit im Datenraum, nicht ungewöhnlich für eine Transaktion dieser Größe.

„Das Besondere war eher, dass wir sehr lange dachten: Warum geht es nicht weiter?“ sagt Schäfer, der gemeinsam mit Baird die Übernahme federführend begleitete. „Und plötzlich kam dann der Anruf und die ganze Sache wurde in 24 Stunden zu Ende verhandelt und beurkundet.“

Finanziert wird die Übernahme unter anderem von Goldman Sachs und Deutscher Bank. Nun müssen die Kartellbehörden der Transaktion noch zustimmen, im Mai soll sie abgeschlossen sein.

Für Allen & Overy zeigt das Charterhouse-Mandat darüber hinaus recht deutlich, worauf es im Private-Equity-Business vor allem ankommt: Kontakte, Kontakte, Kontakte. Deren Pflege und Akquise ist der Hauptgrund, weshalb sich große Kanzleien eigene Praxisgruppen zulegen.

Doch Allen & Overy, deren Corporate-Praxis lange im Schatten ihrer Banking-Tätigkeit stand, geht einen anderen Weg. „Wir machen nicht das, was einige unsere Wettbewerber machen“, so Schäfer. „Private Equity ist bei uns Teil des M&A-Geschäfts. Manche Partner arbeiten mit einem stärkeren Fokus auf Private Equity, aber es wird kein Team geben, das sich ausschließlich damit beschäftigt.“

Dass nur denen Erfolg in der Branche vergönnt ist, die sich deutlich auf die Investoren-Klientel konzentrieren, hat die Kanzlei gemerkt. Baird soll vor allem auch die Aktivitäten in dem Bereich koordinieren, seit gut vier Monaten besteht eine europaweite Private-Equity-Initiative: Einmal im Monat findet eine Telefonkonferenz statt, bei der sich alle, die möchten austauschen können. Ein erster zarter Schritt.

Dass in diesem Jahr mehr Corporate-Partner gemacht wurden als in der Banking-Praxis bedeute keine Schwerpunktverschiebung, sondern sei nur ein Zeichen für den Erfolg der Abteilung, so Schäfer. Allerdings ist auch nur ein Deutscher unter der neuen Partnerriege – und der gehört dann doch zur Banking-Praxis.

In Deutschland ernannte Allen & Overy jedoch vier neue Counsel – eine Position, die es hierzulande sowohl als Alternative zur Partnerkarriere als auch als einen nächsten Schritt auf dem Weg zur Partnerernennung gibt. Und hier spiegelt sich das Verhältnis der Gesamtkanzlei wider: Drei davon gehören zur Corporate-Gruppe. Potenzial gibt es also noch genug.

Berater Charterhouse

Allen & Overy: Derek Baird (London), Dr. Helge Schäfer (Hamburg; beide Federführung; beide Private Equity), Peter Hoegen (Frankfurt), David Lines (London; beide Banking), Dr. Frederik Wiemer (Kartellrecht; Hamburg); Associates: Marie-Luise Stephan (Private Equity; Hamburg), Thomas Neubaum (Banking), Dr. Martin Bünning (Steuern, beide Frankfurt), Gordon Milne, Henry Harris (beide Private Equity), Katie Compton (Banking; alle London)

Berater Goldman Sachs

Shearman & Sterling (Frankfurt): Anthony Ward (London), Dr. Johannes Kremer (Frankfurt; beide Bank- und Finanzrecht), Dr. Johannes Frey (Steuerrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Management

P + P Pöllath + Partner (München): Otto Haberstock

Berater CVC

Freshfields Bruckhaus Deringer: Dr. Ludwig Leyendecker, Dr. Oliver von Rosenberg (beide Unternehmensrecht; Köln), Rick van Aerssen (Unternehmensrecht/IPO-track; Frankfurt), Dr. Anselm Raddatz (Unternehmensrecht; Düsseldorf), Dr. Ulrich Scholz (Kartellrecht), Dr. Elmar Schnitker (Arbeitsrecht), Dr. Stephan Eilers (Steuerrecht; alle Köln), David Winfield (Bank- und Finanzrecht; London); Associates: Dr. Torsten Schreier, Dr. Martin Kleppe (beide Unternehmensrecht, Köln), Dr. Norbert Schneider (Steuerrecht), Dr. Michael Dietrich (Kartellrecht; Köln), Matthew Cox (Bank- und Finanzrecht; London), Dr. Sebastian Kalb, Stefanie Hörstke (beide Köln), Dr. Christian Bornhorst, Dr. Jan Hückel (beide Düsseldorf), Michiel Huizinga, Ulrich Weidemann, Jennifer Budde (alle Unternehmensrecht/IPO-track; Frankfurt), Christian Vollrath (Kartellrecht), Dr. Timon Grau (Arbeitsrecht; beide Köln)

Oostvogels Pfister Roemers (Luxemburg) – aus dem Markt bekannt

Berater Terra Firma

Clifford Chance (Frankfurt): Oliver Felsenstein – aus dem Markt bekannt

Berater DIC

Nicht bekannt

Berater Arcapita

Gibson Dunn & Crutcher (München/London) – aus dem Markt bekannt

Berater ABN Amro

Nicht bekannt

Artikel teilen

Gerne dürfen Sie unseren Artikel auf Ihrer Website und/oder auf Social Media zitieren und mit unserem Originaltext verlinken. Der Teaser auf Ihrer Seite darf die Überschrift und einen Absatz des Haupttextes enthalten. Weitere Rahmenbedingungen der Nutzung unserer Inhalte auf Ihrer Website entnehmen Sie bitte unseren Bedingungen für Nachdrucke und Lizenzierung.

Für die Übernahme von Artikeln in Pressespiegel erhalten Sie die erforderlichen Nutzungsrechte über die PMG Presse-Monitor GmbH, Berlin.
www.pressemonitor.de