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24.02.2016

Gauselmann-Gruppe: Mit Brandi zur Familienstiftung und Berliner Spielbank

Die Gauselmann-Gruppe agiert seit Anfang des Jahres unter dem Dach einer neu gegründeten Familienstiftung. Damit soll das rund zwei Milliarden schwere Glücksspielunternehmen langfristig in Familienhand bleiben. Des Weiteren ging Gauselmann einen entscheidenden Schritt auf die österreichische Wettbewerberin Novomatic zu.

Achim Heining

Achim Heining

Die neu aufgesetzte Gauselmann-Familienstiftung ist nun Alleingesellschafterin des Spielautomaten-Herstellers. Dazu haben neben dem Gründer Paul Gauselmann (81) auch seine Ehefrau Karin sowie die drei Söhne Michael, Armin und Karsten, ihre Firmenanteile in die Stiftung eingebracht. Durch diesen Schritt können unerwartete Erbschaftssteuerzahlungen beim Tod von Gesellschaftern vermieden werden. 

Gauselmann beschäftigt weltweit gut 9.000 Mitarbeiter. Den Umsatz generiert das Unternehmen aus der Produktion und dem Vertrieb von Spielautomaten (Merkur-Sparte), aus ihren Spielotheken sowie dem Segment Neue Medien, das auch die  kontrollierende Beteiligung am österreichischen Sportwetten-Anbieter Cashpoint abdeckt.

Neuer Deal in Berlin

Ende Januar stieg Gauselmann auch bei der Berliner Spielbank ein, die rund 300 Mitarbeiter beschäftigt. Dafür erwarb sie 40 Prozent der Anteile an der Betreibergesellschaft Gustav Jaenecke, die restlichen Anteile verbleiben Großteils bei der österreichischen Novomatic-Gruppe, eine kleine Beteiligung hält auch der Spielbank-Geschäftsführer Günter Münstermann. In der Hauptstadt ist die Neuvergabe der Spielbankkonzession noch im Gange. Mit der Wettbewerberin Novomatic, die zuletzt rund 3,8 Milliarden Euro erwirtschaftete, kooperiert Gauselmann erstmals. Ansonsten war sie in Bieterverfahren gelegentlich mit dem schweizerischen Unternehmen Stadtcasino Baden zu sehen.

Für die Gründung der Familienstiftung

Berater Gauselmann
Brandi (Bielefeld): Achim Heining (Handels-/Gesellschaftsrecht)
Lewis Roca Rothgerber Christie (Reno/USA): Richard Trachok
PKF Fasselt Schlage (Köln): Wolfgang van Kerkom

Für den Einsteig bei der Berliner Spielbank

Berater Gauselmann Spielbanken Beteiligungsgesellschaft
Brandi (Bielefeld): Achim Heining (Handels-/Gesellschaftsrecht), Dr. Christoph Rempe (Kartellrecht)

Jörg Hofmann

Jörg Hofmann

Berater Novomatic
Melchers (Heidelberg): Dr. Jörg Hofmann (Federführung; Glücksspielrecht), Dr. Bernhard Winter (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Arndt Riechers (Kartellrecht)
Inhouse Recht (Gumpoldskirchen): Alexander Legat (Head of Legal)

Hintergrund: Brandi-Partner Heining steht der Gauselmann-Gruppe seit vielen Jahren nicht nur als externer Berater, sondern auch als Leiter der Rechtsgeschäfte zur Verfügung. Zusammen mit dem US-Juristen Richard Trachok deckt deckt er auch Compliance-Themen ab. Trachok, der im Aufsichtsrat der Gruppe sitzt, klärte im Hinblick auf die Familienstiftung vor allem lizenzrechtliche Fragen. Für steuerrechtliche Aspekte wurde Wolfgang van Kerkom hinzugezogen, der als Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwalt qualifiziert ist.

Bei der viel diskutierten Vergabe der Sportwettenkonzessionen, die das Land Hessen organisierte, setzte die Gruppe Cashpoint/Gauselmann auf den Leipziger Luther-Partner Dr. Thomas Gohrke, mit dem sie zuvor bereits die Spielbank-Konzession in Sachsen-Anhalt erreicht hatte.

Novomatic, die in Österreich derzeit eine umfangreiche Beteiligung an der teilstaatlichen Wettbewerberin Casinos Austria anstrebt, vertraute bei dem Berliner Deal auf ein Team von Melchers. Bei der Kanzlei sind in Heidelberg mehrere Juristen mit Schwerpunkt im Glücksspielssektor tätig, die sowohl auf Seiten der Betreiber als auch der entsprechenden Regulierungsbehörden beraten. Der hier federführende Partner Hofmann leitete gerade für zwei Jahre den Spezialistenverband International Masters of Gaming Law. Für die Spielbank Berlin ist die Kanzlei seit knapp zwanzig Jahren immer wieder tätig.

Nach JUVE-Informationen war neben Alexander Legat, Chefjustiziar von Novomatic, auch Andreas Öhner in die Vertragsverhandlungen involviert. Der studierte Betriebswirt leitet das Konzern-Beteiligungsmanagement. 

Beim Land Berlin ist Steffen Pohlmann in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport – Referat I E –  für das Glücksspielwesen und somit auch für die anstehende Konzessionsvergabe zuständig. Die ursprünglich bis zum 31. Dezember 2015 befristete Spielbankerlaubnis des aktuellen Betreibers wurde zunächst bis Ende 2017 verlängert. Der nächste Konzessionszeitraum, für den die Bewerbungsfrist bis Ende Juni läuft, umfasst dann die Jahre 2018 bis 2032. (Sonja Behrens)

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